Die Zeitschrift Forschung und Lehre, Zentralorgan des deutschen Hochschulverbandes, hat führenden Repräsentanten der deutschen Wissenschaft die Gretchenfrage der Forschung gestellt: "Wie kommt das Neue in die Welt?" Auf gleich drei Seiten antwortet darauf Hans-Jürgen Warnecke, nach Angaben der Redaktion "Univ.-Professor, Dr.-Ing., Dr. h. c. mult., Dr. Ing. E. h., Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft", kurz: einer, der es wissen sollte. Doch was man unter dem Titel Management von Innovationen dort lesen kann, ist weder neu, noch stammt es aus der Feder von Hans-Jürgen Warnecke. Der Text setzt sich vielmehr aus drei Aufsätzen zusammen, die bereits 1986 erschienen sind.

Ein Wissenschaftsskandal? Wohl nicht, weil ein solcher Essay in Forschung und Lehre keine wissenschaftliche Publikation im engen Sinne ist. Ein Schaden für die Wissenschaft entsteht dennoch, vor allem: ein Imageschaden für die Fraunhofer-Gesellschaft. Man sei wohl das Opfer einer Verwechslung geworden, erklärt deren Sprecher. Anstelle des bestellten Aufsatzes habe der persönliche Referent Warneckes versehentlich Auszüge der Publikationen von 1986 versandt.

Hans-Jürgen Warnecke trifft dieser Autoritätsverlust besonders hart. Als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft steht er an der Spitze einer der wichtigsten Organisationen der europäischen Wissenschaft, die der Inbegriff der innovativen Forschung in Deutschland ist. Er hat sich entschuldigt, sein Referent muss gehen. Doch dass gerade Warnecke mit seinem Namen unter dem Stichwort "Das Neue" für 14 Jahre alte Thesen verantwortlich zeichnet, wird vermutlich als Treppenwitz der Innovationsforschung in die Geschichte eingehen.

Hätte er doch im eigenen Institutsprogramm geblättert. Zu den obersten Forschungspflichten, heißt es da, gehörten die Optimierung von Produktionsabläufen und die Qualitätssicherung. Das sollte nicht nur für die Labors gelten, sondern auch für die Schreibstuben.