DIE ZEIT: Finanzminister Hans Eichel verspricht als Folge seiner Steuerreform zusätzlich ein halbes Prozent Wirtschaftswachstum ...

GEROLD KRAUSE-JUNK: Das scheint mir realistisch, denn die Reform bringt, was nicht nur wir Wissenschaftler seit Jahren fordern: eine deutliche Senkung wichtiger Steuersätze. Das kann ein Signal für internationale Investoren sein, Kapital nach Deutschland zu lenken.

KRAUSE-JUNK: Die Börse hat lediglich die Möglichkeit für Kapitalgesellschaften bejubelt, Beteiligungen steuerfrei zu verkaufen. Ein tolles Geschenk, das ziemlich überraschend kam.

ZEIT: Sorgt die neue Unternehmensbesteuerung für mehr Wettbewerbsfähigkeit?

KRAUSE-JUNK: Bisher sind deutsche Kapitalunternehmen am höchsten in Europa besteuert, die Reform wäre ein Schritt nach vorn. Die Frage ist aber, ob sich unsere Nachbarn nicht an das anpassen, was wir tun. Es ist nicht auszuschließen, dass 2005, wenn die Entlastung am stärksten ist, die andern mitgezogen haben.

ZEIT: Ein Wettlauf? Muss Eichel dann nicht die Steuersätze bis 2005 nochmals senken?

KRAUSE-JUNK: Es ist durchaus möglich, dass Holländer, Österreicher, Skandinavier unsere Steuersätze wieder unterbieten werden.