Leise klackt der Haustürschlüssel, die Tür fällt ins Schloss, dann ist es still. Leere Sessel starren dich an, Vorhänge wehen wie Gespenster. Weiter und weiter dehnt sich das Wohnzimmer, es wächst und wächst, während du selbst immer kleiner wirst. Ein Apéritif wäre jetzt gut - doch was soll der Aufwand. Lieber gleich eine schnelle Stulle, mit Käse aus dem Papier. Metallen scheppert der Kühlschrank, und obwohl du das Geräusch kennst, durchfährt dich jedesmal ein kleiner Schreck. In solchen Momenten, wenn die Füße kalt werden und die Selbstgespräche langweilig, schießt plötzlich der schmerzliche Satz durch den Kopf: Wär doch ganz schön, wenn einer da wäre! Wenn es irgendeine Form von Leben, von Anwesenheit gäbe ...

Wie oft hat auch Bernd Klosterfelde in drei Jahren Alleinleben diesen Seufzer getan. Bis eines Abends ein neuer Gedanke auftauchte: "Er oder sie muss ja nicht echt sein." Im virtuellen Zeitalter, grübelte der kaufmännische Verlagsangestellte weiter, müsse sich sanfte Geborgenheit auch medial wecken lassen. Ein paar Monate lang beobachtete er sich gründlich. Notierte in der Wohnung seine Bedürfnisse, Rituale, Gefühle. Und komponierte schließlich, jawohl, "eine Fuge der Mitmenschlichkeit".

Nie mehr allein heißt die soeben erschienene CD. Sie nützt dem Individuum zudem als Test dafür, wie weit es bereits gekommen ist mit seiner Deprivation: Rufen die Lebensäußerungen unsichtbarer Poltergeister tatsächlich schnurrende Zufriedenheit hervor, dann ist das ziemlich bedenklich. Noch befremdender aber, wenn künstliche Geräusche authentische Gereiztheit provozieren: Was macht er/sie jetzt da schon wieder? Wie zum Teufel kann man um diese Uhrzeit staubsaugen? Wenn ich eines hasse, dann diese unerträglich dynamischen Schritte! Ersterer Fall von Pathologie im Einpersonenhaushalt macht die Stille nach dem letzten Take umso unerträglicher. Die Genervten hingegen schließen zutiefst bestätigt ihren Frieden mit der eigenen Lebenssituation: Oh himmlische Ruhe! So viel Platz im Wohnzimmer, nur für mich. Jetzt mache ich mir erst mal einen schönen Aperitif, dann esse ich genüsslich ein Käsebrot. Und zwar mit den Fingern, aus dem Papier. Nein, einsam nie wieder. Aber endlich wieder allein!