Die Hocker dösen kopfüber auf dem Tisch zur Linken. Hinterm Tresen werkelt fassungslos ein Männergespann: Märchenbrüder. Einer dick, der andere lang, der Ältere hohlwangig, grau und am Ende seines Lateins. Alle befummeln eine betagte Kaffeemaschine, die zu nichts zu überreden ist.

Durch die Schwingtür tritt einer in Ost-Jeans in einem stockhässlichen Hirschpullover. Der Blick wird kurz auf eine langhaarige Baseballmütze freigegeben, deren Ohren unter schwarzen Hörern geschutzkellert sind.

Der Hirschpulli zwängt sich mit einem "sorry" an uns vorbei. Wir sitzen und schauen uns um. Einzig Halt gibt ein gelber Leuchtpfeil, der, auf eine leere Schultafel gerichtet, dem Treiben in einer gerade eröffneten Gastwirtschaft widersteht.

Leicht und unberücksichtigt hätte ich Stunden dem Treiben zusehen können, wenn wir zum Zusehen angetreten wären. So aber erhebe ich meine Stimme, bestelle ins Universum hinein zweimal Bier, was von dem hageren Alien mit Seitenblick hingenommen wird. Durch die Tür im Rücken poltert ein kleiner Dicker herein, der sich an einem Kistendoppel Brot abschuftet, keucht ein stereotypes "Bleibtsitzenkumpels" und quetscht sich zur Küche vor, gefolgt von einer rotwangigen Kurzhaarschönheit in faltenlosem Parka, mit rechts und links unter die Achseln geschobenen Serviettenstapeln, die ein sympathisches "Kommschondurch" haucht.

Ein von uns bisher nicht wahrgenommener Junghippie mit strengem Schwarzzopf sagt, er habe wirklich nicht damit gerechnet, die beiden Skurrilen überhaupt heuer in seiner Küche begrüßen zu dürfen.

An den Zapfhahn tritt selbstredend niemand. Zeitungen liegen nicht aus.

Der Blick läuft an einer hässlichen Velourstapete, einer braunroten Blütenstruktur, so was von mega-out, Streife. Im Gang zur Toilette äugt ein zusammengehauenes Kleidergestell aus Draht und Kerzenständer, an dessen äußerstem Haken ein trauriger Seidenschal baumelt.