Den Leseratten unter den Feinschmeckern ein Geschenk zu machen ist einfach. Sie lesen Restaurantführer wie andere einen Kriminalroman.

Wenn der Michelin und der Gault Millau zum Jahresende fast gleichzeitig erscheinen, herrscht in der Gemeinde der Auswärtsesser eine Spannung wie an einem Uefa-Wochenende: Wer steigt auf in der Liga der Edelküchen, und wer fliegt raus? Welcher Guide hat eine Entdeckung gemacht, wer hat einen Favoriten degradiert?

Immer noch gibt es in der Schweiz nur zwei Restaurants mit der höchsten Auszeichnung (drei Sterne), das

· Hôtel de Ville in Crissier bei Lausanne und das

· Pont de Brent in Brent bei Montreux.

Neue sind nicht dazugekommen, trotz respektabler Kandidaten wie Ravet in Vufflens-le-Château, Petermann in Küsnacht und Jaeger in Schaffhausen. Auch in den Kategorien darunter hat sich kaum etwas verändert. Also langweilig.

Doch die Gastronomie ist kein Fußballplatz. Ein Jahr ist eine kurze Zeit im Leben einer Küche. Sie kann sich nur drastisch verändern, wenn ein neuer Chef das Ruder übernimmt. Doch eine langsame Leistungssteigerung oder Degeneration sind nur durch eine längere Beobachtung festzustellen. Und hier beginnt das Problem des Guide Michelin. Bevor er sich herablässt, einem Restaurant den dritten Stern zu verleihen oder es mit einem zweiten zu belohnen, vergeht allgemein sehr viel Zeit.