Melitta Breznik: Figuren Erzählungen, Luchterhand Literaturverlag, München 1999, 120 S., 29,80 DM Sind so kleine Geschichten, haben so viel Schicksal. Acht kurze Erzählungen, meist mit letalem Ausgang und fast immer im weißgekachelten Dekorum, denn das Schicksal, das hier in so konzentrierter Dosierung verabreicht wird, ist ein auf Krankenhausfluren eingesammeltes, hier ein Herztod, dort ein Selbstmord, die letzte Nacht eines Krebspatienten und die Einsamkeit des Arztes am Morgen danach. Die Tragödie gibt es im Arzt-Genre gratis und im Übermaß, deswegen ist es auch der Ton, der hier das Buch macht. Ist so zurückgenommen und anspruchslos, hat so viel Magie.

Roman Jakobson: Meine futuristischen Jahre herausgegeben von Bengt Jangfeldt aus dem Russischen von Brigitte van Kann, Friedenauer Presse, Berlin 1999,119 S., 28,- DM Bei den Briks blieb vor der großen Revolution in Moskau den ganzen Tag über die Wurst auf dem Tisch liegen, für alle Gäste, die vorbeikamen, Verse vortrugen, Gedichte an die Wand schrieben, sich in Lilja verliebten, darauf Ärger mit Majakowski bekamen, Karten spielten, Tee tranken. In den Lebenserinnerungen des Sprachwissenschaftlers Roman Jakobson diskutieren die Heroen der russischen Avantgarde an den Lagerfeuern dampfender Samovoare noch immer sehr lebhaft und lehrreich darüber, ob Sklovskij oder Chlebnikov der größere Dichter, wieso Majakowski ein so unerlöster Mensch und Lilja Brik in den Sommerferien so unvollständig bekleidet war.

Dubravka Ugresic: Das Museum der bedingungslosen Kapitulation Roman aus dem Kroatischen von Barbara Antkowiak Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1999 299 S., 17,80 DM Tagebuchpartikel, Gesprächssplitter, Erinnerungen an Maschenrepasseusen und Einbrennsuppen, an Liebesnächte in Lissabon und Abendessen in Berlin machen aus diesem Buch eine faszinierende Loseblattsammlung - ein beeindruckendes Museum des zersplitterten privaten Lebens, in dem jedes Teil das verlorene Ganze und alle s zusammen eine große Verwunderung widerspiegeln. Dubravka Ugresic hat ihre kroatische Heimat verloren, pendelt seither mit dem Koffer zwischen Moskau, Berlin, New York und Amsterdam hin und her, sammelt auf, was sich auf ihrem Weg findet, und macht daraus die Exilliteratur unserer Zeit.