die zeit: Herr Professor, Sie befassen sich als Wissenschaftler intensiv mit Bargeld, Geldwäsche und schwarzen Kassen. Stirbt der Zahlungsverkehr mit Barem nicht langsam aus?

Friedrich Schneider: Im Gegenteil. Das Bargeld erlebt eine Renaissance, die ihresgleichen sucht - obwohl es eigentlich viel bequemer ist, bargeldlos zu zahlen.

zeit: Warum ist Bargeld so beliebt?

Schneider: Weil es die wenigsten Spuren hinterlässt. Wenn ich das Geld schwarz verdient habe, werde ich es nicht aufs Konto legen. Meinen Analysen zufolge gibt es einen engen Zusammenhang zwischen umlaufender Bargeldmenge und Schwarzarbeit. Danach wird die Schwarzarbeit 2000 in Deutschland um 6,8 Prozent zunehmen und einen Umfang von über 640 Milliarden Mark erreichen. Die Schattenwirtschaft ist die am stärksten boomende Branche.

zeit: Man kann also unterstellen, dass große Beträge, die in bar gezahlt werden, in der Regel Schwarzgeld sind, das am Finanzamt vorbeigeschleust wurde?

Schneider: Richtig.

zeit: Können Sie sich überhaupt vorstellen, dass jemand große Summen in Koffern oder Briefumschlägen mit sich herumträgt, die nicht aus Schwarzgeldbeständen stammen?