Ungeduldig hatte die Tourismusbranche auf einen Vorreiter gewartet, der bei Medien und Kunden die Rolle des Schurken übernehmen würde. Jetzt ist es so weit: Die C&N Touristic, Deutschlands zweitgrößter Reisekonzern (Condor/Neckermann), erhebt seit Montag für alle Flugpauschalreisen und Einzelplätze einen Kerosinzuschlag von bis zu 66 Mark pro Person.

"Mit diesem Thema fängt man sich in der Öffentlichkeit nur Beulen ein", sagt Mario Köpers von der TUI, die womöglich noch bis zur kommenden Woche mit einer Entscheidung warten wird. In der Branche wird damit gerechnet, dass in diesen Tagen alle Veranstalter dem Beispiel von C&N folgen und bei ihren Flugpauschalreisen einen Kerosinzuschlag eintreiben werden.

Denn der Preisanstieg beim Rohöl und der hohe Dollarkurs haben sämtliche Preiskalkulationen für den Sommer 2000 über den Haufen geworfen. "Alle sind gleichermaßen gebeutelt", meint LTU-Touristikchef Helmut Held. Die drei großen Charterflieger Condor, LTU und Hapag-Lloyd klagen über zusätzliche Spritkosten in Höhe von jeweils 60 bis 100 Millionen Mark - eine Größenordnung, die auch durch einen sparsamen Flugstil der Piloten nicht zu kompensieren ist. In den vergangenen zwölf Monaten schnellte der Preis für eine Tonne Flugbenzin von 140 auf 230 Dollar (von 266 auf 433 Mark) und damit geradezu in den Himmel, auch ohne Ökosteuer ein Sprung um 65 Prozent.

Wie viel der Unkosten jeder einzelne Passagier übernehmen muss, wissen zumindest die Neckermann-Kunden (und alle anderen Marken des C&N-Konzerns) jetzt genau: 25 Mark für Kurzstrecken wie Mallorca, 32 Mark für Mittelstrecken wie Türkei oder Kanarische Inseln und 66 Mark für alle Fernstrecken. Der Zuschlag gilt auch für den Einzelplatzverkauf der Condor und bei allen Pauschalreisen, die mit Linienflügen durchgeführt werden.

Trotzdem verschont der Kerosinzuschlag einige Passagiere: Wer bereits gebucht hat und innerhalb von vier Monaten nach Bekanntgabe der Nachforderung startet, darf wegen der gesetzlichen Preisbindung nicht nachträglich zur Kasse gebeten werden. Ein bereits reservierter Osterurlaub wird sich also nicht verteuern. Bei Neubuchungen ist der Zuschlag jedoch generell - unabhängig vom Reisedatum - zu bezahlen.

Für die Reisekonzerne ist der Kerosinzuschlag allerdings ein zweischneidiges Schwert: Einerseits benötigen sie das Geld, andererseits könnte der Aufpreis die Nachfrage dämpfen. "So etwas ist natürlich kein Buchungsanreiz", gibt der TUI-Sprecher Köpers zu. Schon in den vergangenen Wochen waren die Buchungseingänge für den Sommer 2000 nicht gerade berauschend, jetzt ist mit einem weiteren Rückschlag zu rechnen. Für die inländische Tourismusbranche könnte sich jedoch ein Kerosinzuschlag durchaus positiv auswirken. Weil er nämlich Auslandsreisen verteuert und damit den Urlaubsstandort Deutschland konkurrenzfähiger macht.