die zeit: Jongleure und Einradakrobaten in der Berliner Fußgängerzone: Sind das die Absolventen der Staatlichen Schule für Artistik?

Gerd Krija: Höchstens unsere Schüler, die in den Sommerferien ein bisschen üben. Nach der vierjährigen Berufsfachschulausbildung arbeiten die Absolventen in Varietés, auf Galas und Betriebsfeiern. Und im Zirkus natürlich. Der Zirkusbetrieb ist für Berufseinsteiger außerordentlich wichtig, weil er Selbstdisziplin lehrt. Der Artist ist ja ein Freischaffender, der zunächst einfach deshalb Artist wird, weil er nicht morgens um 7 Uhr ins Büro will. Da bietet zunächst die Schule das nötige Korsett, später dann der Zirkus.

zeit: Jonglieren die Schüler bei Ihnen den ganzen Tag, oder müssen sie auch Mathe lernen?

Krija: Die Schule wird man bei uns nicht los. Wer sich nach der 8. Klasse bewirbt und mit seinen akrobatischen Leistungen den Eingangstest besteht, den erwarten in der 9. Klasse wöchentlich 22 Stunden Theorie und 22 Stunden Praxis. Freizeit gibt es da keine mehr, die Schüler müssen alles sofort im Unterricht kapieren. Daher haben unsere Klassen nur 6 bis 10 Schüler, insgesamt sind derzeit 40 Nachwuchsartisten am Haus. Die Ausbildung kostet nichts, nur für das Internat muss man zahlen.

zeit: Wer sollte die Akrobatenkarriere anpeilen?

Krija: Na ja, wer bis zu seinem 14. Lebensjahr nur hinterm Ofen gesessen hat, der wird es auf dem Hochtrapez nicht weit bringen. Aber wer in seiner Jugend viel geturnt hat, der hat prinzipiell gute Voraussetzungen.

zeit: Was macht ein Artist im Alter?