Kostajnica/Split Jozo Filipovic oder das, was von ihm blieb, war einmal ein stolzer Lastwagenfahrer. Heute ist er ein umgeworfener Bauer auf dem zersplitterten Schachbrett der Tudjman, Milosevic, Izetbegovic. Der Schmerz steht ihm ins Gesicht geschrieben. Die Bauchspeicheldrüse quält, weil sie keine Medikamente erhält. 1998 kam der 41-jährige Kroate mit seiner Frau und den drei Kindern aus der zentralbosnischen Heimat hierher.

Hier, das heißt: wo alle Straßen enden, wo Kroatien an Bosnien stößt und gleich jenseits des Flusses Una die Republika Srpska der bosnischen Serben beginnt. Hier heißt zugleich: Niemandsland. Zumindest gilt das für den privaten Grund und Boden. Denn auch auf dieser Seite, in der armen kroatischen Banovina, lebten früher überwiegend Serben. In vielen Dörfern um die Stadt Kostajnica, wo die Brücke noch immer zerstört und der Grenzverlauf in der Flussmitte bis heute umstritten ist, waren es über 90 Prozent. Als Präsident Tudjmans kroatische Armee im Mai 1995 mit der Operation "Blitz" Westslawonien von den serbischen Besatzern zurückeroberte, vertrieb sie die alteingesessenen Serben der Banovina gleich mit.

Busse karrten Kroaten aus Bosnien zu den verlassenen serbischen Häusern an den Hauptstraßen. Diese Kroaten hatten ihre Heimat vor allem deshalb verloren, weil Tudjman seinen Staat auf Kosten Bosniens zu vergrößern trachtete. Er ließ zu, dass die kroatische Armee den verbündeten Muslimen 1993 in den Rücken fiel. Der mittellose Jozo und seine Brüder marschierten mit - für einen Hungerlohn. Nach dem Krieg nahmen die Brüder den Bus aus Bosnien in die von den Serben verlassene Banovina. Ein Haus für Jozo fanden sie auch.

Jozo steht auf dem verschneiten Hof. Vom Stallgebäude hat das Artilleriefeuer nur die Grundmauern übrig gelassen. Was im Haus zu Bruch ging, ist mit Holzbrettern vernagelt. Jozo hat keine Arbeit, kein Auto, keinen Strom, keine Heizung. Die Küche wärmt ein fossiler Herd aus Habsburgs Tagen. Auf seiner Platte steht ein rußschwarzer Topf mit Maiskörnern. Der schlichte Mann weiß nicht, woher er noch Essen beschaffen kann. Die Sitzgelegenheiten, die er mit Filzdecken als Sofas tarnt, hat er von Mülldeponien angeschleppt. Öffentliche Transportmittel gibt es nicht. In der Ecke neben den Marienbildern rinnt Regen durch den Fensterrahmen. 17 Schlangen musste Jozo töten, bevor er das Haus bewohnbar hatte.

Im September vergangenen Jahres tauchte die serbische Besitzerin aus Smederevo auf. Sie wirkte eher schüchtern, wollte sich nur umsehen. Der Kroate bat sie herein, kochte Kaffee. Zum Abschied dankte ihm die Serbin für die Instandhaltung.

Doch seither kann Jozo nicht mehr in Frieden leben - weil es den kroatischen Nachbarn nicht gefiel, dass er eine Serbin in ihr einstiges Haus ließ.

Davonjagen müsse man solche Besucher. Andere "Hausbesitzer" tun es auch. Der lokale Repräsentant der bosnischen Kroaten, über dessen Laden die notdürftigsten Artikel aus dem bisherigen Regierungsprogramm - Heizkörper, Möbel, Fensterrahmen - zu beziehen sind, knallte Jozo die Tür vor der Nase zu. Die Polizei steckt mit solchen kleinen Kriegsgewinnlern unter einer Decke. "Sie haben Handys, Autos und Geld", erregt sich Jozo. "Sie prahlen damit, dass sie sich Wohnungen in Zagreb kaufen werden, wenn die Serben zurückkehren. Und was wird aus uns?"