Augusto Pinochet wird nach Chile zurückkehren, glücklich über die Heimkehr nach mehr als einem Jahr Arrest in London, und doch kann er nicht ganz zufrieden sein: Denn er kommt in ein Land, das gerade den Sozialisten Ricardo Lagos zum Präsidenten gewählt hat. Es war ein Sozialist, den Pinochet 1973 aus dem Amt putschte: Salvador Allende. Lagos hat aller Radikalität abgeschworen, die Allende eigen war, längst ist er ein gemäßigter Sozialdemokrat. Aber doch war er es, der Pinochet in den achtziger Jahren öffentlich "Mörder" nannte. Das kann ein General nicht vergessen.

Vergessen wird er auch nicht, dass sein Ziehsohn Joaquøn Lavøn, knapp gegen Lagos unterlegen, den Namen Pinochet im Wahlkampf nicht erwähnte. Lavøn hat sich sogar dafür ausgesprochen, dass der General in Chile vor Gericht kommt, was dieser als Hochverrat empfinden muss.

Was bleibt dem alten Mann? Jubelnde Anhänger werden ihn empfangen, sicher.

Vor Gericht wird er nicht kommen. Aber die Politiker, deren Respekt Pinochet erwartet, wollen ihn vergessen. Das Bitterste für den General wird sein, dass allein die Opfer, die zu Recht immer noch nach Gerechtigkeit rufen, seine Erinnerung in der Öffentlichkeit bewahren werden. Pinochet wird nur in ihrem Schmerz weiterleben.