Es gibt Orte, die sind für den Normalverbraucher tabu. Verblüffend eigentlich in Zeiten wie diesen, da Europa zusammenwächst, ob es will oder nicht, und der Tourismus längst bis in die verschwiegensten Winkel der Erde vorgedrungen ist. Aber: Durfte vielleicht schon mal einer in Charles' Kräutergarten, auf Boris Beckers Landsitz oder Armanis Ferieninsel? Dass uns solche Paradiese verschlossen bleiben, erzeugt Frust von beträchtlichem Ausmaß, den selbst die komfortabelste Pauschalreise nicht vertreiben kann.

Daher freut es einen doppelt, wenn hin und wieder wenigstens per Lektüre zu verfolgen ist, wie's bei der Crème de la Crème zu Hause aussieht. Im Park des Buckingham-Palastes zum Beispiel - wie jeder weiß, das Stadtdomizil unserer Lieblingsregentin - soll es von Viechern ja nur so wimmeln. Nein, es sind weder die O-beinigen Corgis noch die blaublütigen Rennpferde der Hausherrin, die dort durch die Rabatten wetzen. In dem großzügig bemessenen Gelände, welches ohne weiteres als ökologisches Kronjuwel bezeichnet werden kann, haben sich vielmehr Arten angesiedelt, die man eher im Sherwood Forest vermutet als mitten in der Briten-Metropole, nämlich Fledermäuse und Eulen, Füchse und Eisvögel sowie exakt 112 verschiedene Spinnensorten.

Wer hätte das gedacht. Spinnen, nun gut. Jeder, der selbst etwas Grün vor der bescheidenen Haustür hat, weiß, wie praktisch diese Spezies das zum Netzeweben findet. Um allerdings Eisvögel zu erspähen, muss man heutzutage nicht nur kilometerweit vor die Tür gehen, sondern auch noch tagelang geduldig auf der Lauer liegen, bis sich mal einer blicken lässt, vom Rest der Gesellschaft ganz zu schweigen. Wenig gesellige Tiere allesamt und doch bei Lisbeth im Hinterhof zugange.

Ein Wunder der Natur, eine königliche Arche Noah? Ach was. Das "wertvollste Biotop der britischen Hauptstadt", wie die Naturhistorische Gesellschaft jubelt, ist ein hermetisch abgeriegeltes Areal und dämmert bis auf ein paar sommerliche Familienfeten hinter hohen Mauern ziemlich vor sich hin, was im Klartext heißt: Kein Schwein darf hinein, wenigstens kein touristisches.

Perfekt für Fuchs und Hase demnach, sich in diesem royalistischen Niemandsland gefahrlos gute Nacht zu sagen. So lange wenigstens, bis hinter der Gardine einer ins Jagdhorn bläst.