Neue Slogans müssen sich die Werbeleute eigentlich nicht mehr einfallen lassen. Wenn Ende März der jüngste Spross des Münchner Burda-Verlags an den Markt kommt, können die Kreativen auf Bewährtes zurückgreifen. "Donnerstag ist Focus-Tag" etwa, und es geht auch wieder um die "Info-Elite", deren Mitglieder sich "als kommunikationsstarke Meinungsbildner und Entscheider in Wirtschaft und Gesellschaft" auszeichnen. Es geht, klar, um Focus, dem Macher Helmut Markwort allerdings das Wort Money hinzugesetzt hat. Focus-Money soll das "erfolgreiche Konzept des Nachrichtenmagazins Focus auf eine moderne Wirtschaftsberichterstattung" übertragen. Das Ergebnis, an dem Markwort und die Seinen seit Monaten basteln, preist der Verlag schon jetzt als "Wertpapier, das sich für den Abonennten und Käufer vielfach rentieren" werde. Ein Potenzial von mehr als drei Millionen Menschen hat Burda ausgemacht.

Doch auf die haben es auch noch andere abgesehen. In diesem Frühjahr erscheinen gleich reihenweise neue Wirtschaftstitel. Zwar ist der Markt schon jetzt gut bestückt mit Titeln wie Wirtschaftswoche, Geldidee, DM, Impulse oder manager magazin, doch die Verlagsstrategen rechnen nicht mit Verdrängungswettbewerb, sondern mit einer Marktausweitung. Wenn Burda kommt, sind Handelsblatt-Verlag und Gruner + Jahr schon da. Am 27. Januar erscheint erstmals das wöchentliche Anlegermagazin Telebörse aus dem Handelsblatt-Verlag. Das neue Blatt, das in der Frankfurter Börsenstraße residiert und mit dem Nachrichtensender n-tv kooperiert, startet mit einer Auflage von über 200 000. Dabei hat Chefredakteur Roland Tichy allerdings eine größere Zielgruppe als Burdas Info-Elite vor Augen: die money class, also die rund sieben Millionen Bundesbürger, die über ein Geldvermögen um die 30 000 Mark verfügen können. Am gleichen Tag wird das neue Capital erscheinen - als 14-täglich erscheinendes Objekt, bisher Marktführer am Monatsmarkt mit mehr als 250 000 Exemplaren. Zugleich beendet die zum Hamburger Verlag G + J gehörende Kölner Tochter ihren Ausflug in den Osten Deutschlands. Capital Ost ist mit der Ausgabe 1/2000 zum letzten Mal erschienen. Nach 109 Heften (Start: 1/1991) werden die Leser auf die Originalausgabe verwiesen.

Die in der Branche wohl am meisten beachtete Neuerscheinung soll in der zweiten Februarhälfte starten: die Financial Times Deutschland. Mit einer Druckauflage von über 100 000 Exemplaren peilen die Partnerverlage G + J und Pearson aus Großbritannien zunächst eine verkaufte Auflage von 50 000 Stück an. Erklärter Gegner des nach dem britischen Vorbild Financial Times gestalteten deutschen Ablegers ist der Marktführer, das Düsseldorfer Handelsblatt. Leicht dürfte es der Newcomer, für Bernd Kundrun, den designierten Verlagschef von G + J, schon jetzt ein "Spitzenprodukt", nicht haben. Schon im vergangenen Herbst hatte sich das Handelsblatt einen Relaunch verpasst. Mit einer verstärkten Mannschaft, neuen redaktionellen Angeboten und einer massiven Werbekampagne (Slogan: ",Das wichtigste Meeting habe ich morgens am Kiosk.' Handelsblatt - Substanz entscheidet") sollte schon vorab das Feld bestellt werden. Mit Erfolg: Im vierten Quartal erreichte das Blatt mit knapp 171 000 Exemplaren seine bisher höchste Auflage.