Jetzt sind die Zahlen raus: Die Volkswagen-Gruppe war im abgelaufenen Jahr eindeutig der Primus auf dem europäischen Markt. Fast 2,6 Millionen Autos der Marken VW, Audi, Seat und Skoda wurden in Westeuropa (EU plus Efta) neu zugelassen, das bedeutet einen Zuwachs von 9,8 Prozent und eine Steigerung des Marktanteils von 18,0 auf 18,8 Prozent. Damit wuchsen die Wolfsburger samt ihren Töchtern fast doppelt so schnell wie der Markt. Meistverkauftes Modell war ebenfalls ein Produkt aus dem umfangreichen Sortiment von Konzernchef Ferdinand Piëch: der Golf. Allerdings war ihm der Astra (Opel/Vauxhall) dichter auf den Fersen denn je. Insgesamt zählten die Statistiker der Vereinigung der Europäischen Automobilhersteller (ACEA) in den 17 Ländern knapp über 15 Millionen Neuzulassungen von Personenwagen - ein Plus von 4,8 Prozent. Die Zahlen sind zwar als vorläufig eingestuft, gravierende Änderungen dürften sich freilich kaum ergeben.

Ebenfalls zu den großen Gewinnern darf sich DaimlerChrysler zählen. Der deutsch-amerikanische Konzern liegt zwar mit 5,6 Prozent Marktanteil nur auf Rang sechs in Westeuropa, verbuchte jedoch mit 16,1 Prozent den höchsten prozentualen Zuwachs. Zu verdanken haben das die Stuttgarter vor allem ihrem Vorstoß in neue Marktsegmente (A-Klasse, CLK, Smart). Doch nicht nur die deutschen Hersteller reüssierten. Auch die französischen Marken Peugeot und Citroën aus dem PSA-Konzern und Renault konnten Europas Autokäufer mit vielen neuen und pfiffigen Modellen überzeugen. PSA schaffte mit 12,1 Prozent Marktanteil den Sprung auf die zweite Position der ACEA-Rangliste und legte ebenfalls zweistellig zu (plus 11,6 Prozent) Erzrivale Renault verkaufte als Nummer fünf der Konzerne immerhin 7,3 Prozent mehr Méganes, Scénics oder Kangoos. Zu den Gewinnern zählten freilich auch die Koreaner, die - wenngleich auf schmaler Basis - ein gutes Fünftel mehr Autos nach Westeuropa einführten als im Jahr zuvor.

Bei den anderen Konzernen sieht es weniger positiv aus. General Motors (Opel, Vauxhall, Saab) konnte seinen Marktanteil von 11,5 Prozent gerade noch halten, rutschte aber auf Rang drei in der Hitliste ab. Noch heftiger erwischte es den Ford-Konzern, die BMW Group und Fiat. Ford (11,2 Prozent Marktanteil, Rang 4) setzte dank einer verfehlten Modellpolitik ein Prozent weniger Autos in Westeuropa ab, der Marktanteil der BMW Group fiel aufgrund schwacher Verkäufe bei Rover auf 5,3 Prozent, und Fiat (mit Alfa Romeo und Lancia) rutschte mit einem Verkaufsminus von 7,8 Prozent gar unter die magische Marke von zehn Prozent Marktanteil. Ebenfalls wenig glücklich mit ihrem Abschneiden waren die Japaner. Sie legten insgesamt nur magere 1,3 Prozent zu, und wäre da nicht Toyota mit einem zweistelligen Plus, wären die Marken aus Fernost gar ins Minus gerutscht.

Dass selbst Verkaufserfolge aus der jüngsten Vergangenheit für die Zukunft wenig zählen, macht das Beispiel VW deutlich. In den letzten Monaten des vergangenen Jahres zeigten die Verkäufe weniger Dynamik, schon werden die Skeptiker auf den Plan gerufen. Den Analysten des Bankhauses M.M. Warburg & Co jedenfalls fehlt das rechte Vertrauen in Ferdinand Piëchs "Plattformstrategie", diese verliere an "Momentum". Marktumfeld und Preiskonvergenz führten zu Margendruck, zudem sei die "ehrgeizige Expansion ins Luxussegment" zweifelhaft. Ihre Empfehlung an die Aktionäre: "Verkaufen."