Wenn es um Geldanlage geht, rangiert die Aktie auf der Beliebtheitsskala der Deutschen ganz oben. Drei Millionen, vier Millionen, dann über fünf Millionen - in den vergangenen Jahren kletterte die Zahl der Aktionäre, genau wie die Börse, von Rekord zu Rekord. Im Sog des Aktienbooms wurden auch Investmentfonds immer begehrter: Rund dreieinhalb Millionen Deutsche besitzen mittlerweile Anteile an reinen Aktienfonds - doppelt so viele wie 1997. Wo aber investieren die Fondsmanager das Geld der Sparer? Und was können sich private Anleger von den Strategien professioneller Investoren abschauen? Das Münchner Forschungsinstitut Südprojekt hat für die ZEIT 18 weltweit anlegende Aktienfonds befragt. Wichtigstes Ergebnis: Auf der Beliebtheitsskala der Fondsmanager klettert Asien immer weiter nach oben.

Während die Aktienprofis im Januar vergangenen Jahres noch knapp ein Zehntel des ihnen anvertrauten Geldes in fernöstliche Aktien steckten, waren es Ende 1999 bereits mehr als 18 Prozent. Abgezogen wurde Kapital dabei fast gleichermaßen aus den USA und Westeuropa. Wirft man einen Blick auf die Prognosen der Volkswirte, verwundern diese Zahlen kaum: Das Wachstum des amerikanischen Brutoinlandsproduktes, erwartet zum Beispiel das Research-Team der Commerzbank, werde sich bis Dezember 2000 weiter verlangsamen - von knapp vier Prozent im vergangenen Jahr auf etwa 2,5 Prozent. Ganz anders dagegen der Ausblick für Fernost: Mit Wachstumsraten von voraussichtlich über fünf Prozent holen die noch vor zwei Jahren von der Krise gebeutelten Staaten bis 2001 kräftig auf.

Anlageschwerpunkt in Asien ist derzeit Japan: Der Anteil japanischer Aktien am Portfolio der Befragten hat sich im vergangenen Jahr auf 14 Prozent verdoppelt. Fondsmanager Thomas Meier von Union Investment zum Beispiel hat das Land in seinem Uni Global ähnlich gewichtet. Zukaufen will er allerdings nicht, stattdessen investiert Meier in bisher vernachlässigte Länder wie Korea oder Singapur. Sowieso raten Experten von einem breiten Engagement in Nippon ab. In der japanischen Wirtschaft dominierten strukturelle Probleme, heißt es bei der Commerzbank. Im Durchschnitt hätten die Unternehmen "zu hohe Schulden, zu hohe Kapazitäten und zu hohe Lohnkosten" (siehe auch "Notiert in Tokyo", Seite 25).

Die Fondsmanager reagieren darauf, indem sie gezielt die Werte globaler Größen kaufen. Beim Fondis der Commerzbank-Tochter Adig etwa rangiert Japan mit einem Anteil von 23 Prozent hinter dem Schwergewicht USA (33 Prozent) auf Rang zwei. Fondsmanager Klaus Breil setzt auf "Unternehmen, deren Produkte zu den führenden in der Welt gehören" - wie die Fernseher, Stereoanlagen oder Videokameras von Sony. Die Aktie der japanischen High-Tech-Schmiede hat im Portfolio des Fondis daher auch einen Anteil von rund zwei Prozent.

Ganz gleich, in welches Land das Kapital der Sparer fließt: Aktienprofis, die weltweit Geld anlegen sollen, investieren gern in Marktführer, die eine gewisse Sicherheit bieten, dazu aber mit der Aussicht auf Rendite locken.

General Electric, Microsoft oder Nokia finden sich bei fast allen Fonds unter den größten Positionen. Das Papier des Handy-Herstellers Nokia ist mit einem Anteil von 3,9 Prozent derzeit auch Favorit im Top Welt der zur HypoVereinsbank gehörenden Activest. Rund 420 Millionen mobile Telefonierer zählte man weltweit bis Ende September vergangenen Jahres

bis 2003 soll es eine Milliarde Handy-Nutzer sein. Nokia (Marktanteil: rund 35 Prozent) sei daher eine "sehr gute Wachstumsaktie mit hohen Zuwachsraten", heißt es bei Activest.