Nur allzu oft beklagen die Machthaber unseres Landes die Politikverdrossenheit, die insbesondere bei jungen Leuten grassiere. Auf der anderen Seite sind sie jedoch nicht in der Lage, die Konsequenzen ihres eigenen Tuns einzuschätzen

vor allen Dingen vergessen sie, dass es den meisten vollkommen gleichgültig ist, aus welcher Partei der "Übeltäter" kommt. Diejenigen, die sich für Politik interessieren - oder bisher interessiert haben -, fragen sich, ob es die Mühe überhaupt noch wert ist, da die Oberen jeden Sinn für die Realität verloren zu haben scheinen, denn persönliche Bereicherung und Vorteile für die eigene Sache (Partei) dominieren augenscheinlich alles, und das sogar bei Menschen, für die die ethischen Ideale zur Grundausbildung gehören, bei Pfarrern. Woran also soll sich die Jugend - ich selbst bin gerade erst 20 - orientieren, wenn selbst die Elite eines demokratischen Rechtsstaates nicht willens ist, sich an die Regeln, die sie selbst aufgestellt hat, zu halten?

Franziska Norgall, Berg

In diesen Wochen hat hier im Südwesten jeder dörfliche Kleintierzuchtverein, der etwas auf sich hält, seine jährliche Generalversammlung. Dazu gehört dann auch der genaue Kassenbericht. Neben dem Kassierer kommen die beiden gewählten Kassenprüfer zu Wort, bevor über die Entlastung des Vorstandes abgestimmt wird. Wie könnte sich da jemand leisten, Beträge nicht zu verbuchen, Spenden vorbeizuleiten und nach persönlichem Gutdünken zu verwenden? Er wäre im Verein, ja im ganzen Dorf unten durch. Und dann Derartiges in einer staatstragenden Regierungspartei unserer demokratisch verfassten Bundesrepublik! Wann endlich findet sich ein Parteimitglied, das gegen den und die Verantwortlichen Strafanzeige erstattet? Schon aus Selbstachtung!

Hellmut Rave, Öhningen