Schmeckt Pepsi besser oder Coca? Für Unbeteiligte mag die Diskussion um die Besetzung des Chefpostens beim Internationalen Währungsfonds (IWF) etwa so erregend sein wie ein Streit um die Güte der beiden Softgetränke. Ob nun Caio Koch-Weser, derzeit Staatssekretär im deutschen Finanzministerium, zum Geschäftsführer der Organisation gekürt wird oder irgendein anderer Finanzfachmann, wen schert es? Für Laien ähneln sich die meisten potenziellen Kandidaten sowieso wie ein Ei dem anderen. Und genau da liegt das Problem.

Publikumswirksamer wird die Debatte erst, wenn den Namen auch Nationalitäten zugeordnet werden: Darf Deutschland mit allen Mitteln einen eigenen Kandidaten für den Chefposten puschen? Können die Franzosen einen Konkurrenten aufstellen, oder müssten sie nicht solidarisch zu Deutschland stehen? Agieren die Vereinigten Staaten fein, wenn sie den Deutschen still und leise demontieren - vielleicht weil sich ihr Finanzminister selbst Hoffnungen auf den Posten macht? Seit solche Fragen die Kandidatenkür zu einem Anliegen der nationalen Ehre gemacht haben, hat das Thema zwar endlich die Fachkreise verlassen. Leider sind damit aber auch die eigentlichen Fragen in den Hintergrund gerückt.

Wie der IWF-Chefposten künftig besetzt wird, ist eine außergewöhnlich wichtige Entscheidung. Spätestens in der Asienkrise hat sich ja gezeigt, wie unzureichend die Institution auf Zusammenbrüche des internationalen Finanzsystems reagiert hat und wie schlecht ihr Rat für die betroffenen Länder oft ist. Vor der Debatte über einen Kandidaten müsste also eigentlich die Stellenbeschreibung neu diskutiert werden: Was muss ein künftiger IWF-Chef können? Wie stark soll er überhaupt sein? Und welche Reformen wünscht man sich von ihm? Da die meisten Regierungen dieser Welt auf all die Fragen bisher jedoch keine Antwort haben und man sich international wohl nur in der Ratlosigkeit einig ist, gestaltet sich auch die Suche nach dem Kandidaten entsprechend hilflos.

Was also bleibt? Wie die meisten internationalen Organisationen wird auch der IWF wohl erst mit und durch die Kraft seines neuen Chefs reformiert werden können. Und da ist der deutsche Kandidat nicht die letzte Wahl. Zwar ist der Exweltbanker nicht für revolutionäre Neuerungen bekannt. Doch steht Koch-Weser durchaus für den sanften Reformprozess, den die Institution in den vergangenen Jahren durchgemacht hat. Das ist kein schlechtes Zeugnis.