Washington

Amerikaner lieben Helden. Nicht zufällig haben von den 17 Präsidenten dieses Jahrhunderts zehn gedient, manche von ihnen kamen hoch dekoriert aus der Schlacht nach Hause zurück. Vielleicht liegt die Vorliebe für Kämpfer am weitgehend ungetrübten Verhältnis des Landes zum Krieg. Im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg siegte die Nation, und die Helden der Schlachtfelder erwarben sich ihre Meriten zudem noch auf der moralisch richtigen Seite.

Vielleicht tut die endlose Präsentation einsamer Helden durch Hollywood ein Übriges. Auf die Frage jedenfalls, wer ihr hero sei oder welchen leader sie bewundern, wissen die meisten Amerikaner eine Antwort.

McCain und Held - bei der Kombination dieser beiden Wörter finden sich im Internet über 2000 Einträge. Aufrichtigkeit, Treue, Mut - dem ehemaligen Marineflieger werden all die Tugenden zugeschrieben, die seit Beginn der Clinton-Ära für Politiker selten benutzt werden. "Manche Leute fragen, wo sind die Helden von heute? Hier haben wir einen": So stellte ein demokratischer Oberstaatsanwalt bei der Eröffnung eines Museums für Kriegsgefangene in Georgia den Republikaner vor. Seit John McCain die Gefangenschaft während des Vietnamkrieges überlebt hat - durch die Folter körperlich übel zugerichtet, geistig jedoch ungebrochen -, gilt er als lebendes Denkmal. Denn der Sohn eines Admirals blieb während des Krieges bei seinen Kameraden, obwohl ihm aufgrund dieser Herkunft die Freilassung angeboten worden war. Das kostete ihn fünfeinhalb Jahre. Und da McCain die Orden und seine Wunden seither zwar mit Stolz, aber ohne Vorwurf an die Kriegsgegner trägt, achtet ihn die amerikanische Linke wie die Rechte. McCain ist eben ein Held.

Wird er auch Präsident? Seit dem vergangenen Jahr kämpft der Senator aus Arizona um die Präsidentschaftskandidatur der republikanischen Partei.

Zunächst nahm ihn kaum jemand wahr, doch seit ein paar Wochen steigen seine Chancen. Noch liegt er landesweit bei allen Umfragen weit hinter dem Parteifavoriten George W. Bush. Doch im Bundesstaat New Hampshire, wo Anfang Februar die erste wichtige Vorwahl stattfindet, steht der 63-Jährige mittlerweile in der Gunst der republikanischen Wähler vor allen Konkurrenten.

New Hampshire ist wichtig. Im amerikanischen Wahlkampf ist der Bundesstaat in Neuengland seit jeher für alle Kandidaten die erste große Hürde. Hier, und Ende Januar in Iowa, entscheidet sich, wen die Wähler zum frühen Favoriten küren. Nicht selten hat das für Überraschungen gesorgt. Nur Bill Clinton hat in jüngster Vergangenheit die Vorwahl in New Hampshire verloren und trotzdem das Weiße Haus erobert.