Wenn heute das Urban Entertainment Center am Potsdamer Platz in Berlin eröffnet wird und damit das Sony-Areal erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wird niemand an ihn denken: Die Massen, die sich dann in dem elliptischen Ding versammeln und bestaunen, wie man den historischen Kaisersaal des Hotels Esplanade verschoben und in den Neubau integriert hat, werden den Namen des Verantwortlichen nicht kennen. Dabei betreut Steffen Dümler seit fünf Jahren maßgeblich eines der größten Bauprojekte in Berlin ohne ihn wäre an dieser Stelle vieles nicht so, wie es geworden ist.

Als Projektleiter des deutschstämmigen, seit 1966 in Chicago tätigen Architekten Helmut Jahn erarbeitet er die Entwurfs- und Ausführungsplanung des Sony Center, dessen zeltartige Rotunde sich als neues markantes Zeichen in den Berliner Himmel eingeschrieben hat. Zufällig ist der 40-Jährige wie sein Chef in Nürnberg geboren, nur 20 Jahre später. Aber es war nicht die Herkunft aus der Alten Welt, sondern die Erfahrung mit der Neuen, die ihm schließlich den Kontakt zu dem Star aus Chicago einbrachte. 1984, während seines Studiums an der Fachhochschule Nürnberg, hatte Dümler ein Praktikum in Berkeley absolviert 1989, nach den ersten Schritten ins Berufsleben, entschied er sich dazu, im kalifornischen San Luis Obispo seinen Masters Degree zu machen. Fast hätte er die berufliche Karriere in den USA fortgesetzt, doch schließlich lockte ihn das wiedervereinigte Berlin. Wo ihn nach einiger Zeit - aufgrund der Empfehlung eines amerikanischen Architekten - ein Anruf aus dem Chicagoer Büro von Helmut Jahn erreichte - die hatten in Chicago niemanden, der nach Berlin wollte.

Er war schon da. Und nun sitzt Steffen Dümler in seinem Büro an der Friedrichstraße, umgeben von sieben Mitarbeitern - nicht gerade viel, bedenkt man, dass das umbaute Volumen des Sony Center locker dem einer Kleinstadt entspricht. Doch Helmut Jahn, der einmal im Monat für drei oder vier Tage in Berlin ist, achtet auf Effizienz. Die Zusammenarbeit mit ihm sei ganz einfach zu beschreiben, so Dümler: sie sei anstrengend und lehrreich. Es falle ihm inzwischen leicht, die Lösung zu finden, die auch sein Chef anbieten würde.

Mit Zeichenstift und Computer hat ein Projektleiter allerdings wenig zu tun.

Wichtiger sind diplomatisches Geschick, das Talent, die unterschiedlichen Interessen zu koordinieren und schließlich das Entwurfskonzept des Büros zu verteidigen und durchzusetzen: gegenüber dem Investor, gegenüber dem Projektentwickler, aber auch gegenüber dem Land Berlin und dem Bezirk Tiergarten. Der Projektleiter - ein Kommunikator, ein Mediator. Und dabei, was dieser auch an Jahn bewundert, kompromisslos.

Wer solche Fähigkeit besitzt, nimmt Kritik gelassen - an der es bisher nicht gemangelt hat. Vom Vorwurf indes, hier sei eine amerikanische Mall im märkischen Sand entstanden, will Dümler nichts wissen. Nein, es handle sich vielmehr um das Konzept eines mediterranen Stadtplatzes, der in Nordeuropa ein Dach braucht.

Tatsächlich ist das gewaltige gläserne Rund, das in das Dreieck der Blockrandbebauung eingeschrieben wurde, keinesfalls hermetisch abgeriegelt Lücken zwischen den einzelnen Bauteilen erlauben verschiedentlich Durchblicke. Die großen Vorzüge im Vergleich mit dem vis-à-vis gelegenen debis-Areal sieht der Architekt in der stärkeren Kompaktheit und Verdichtung, aber auch in der durchgehend öffentlichen Nutzung der Erdgeschosse. Ob die Berliner und deren Besucher das auch so sehen, wird sich erweisen.