Trisha ist neun Jahre alt, als sie sich im Wald verirrt. Der Wald ist groß, undurchdringlich, er liegt in Maine, USA, aber er gleicht einem deutschen Märchenwald. Dort gibt es keine Hexen, doch Gespenster anderer Art. Eines ist die Familie, der Streit zwischen Vater und Mutter, der zur Scheidung führte, der Streit zwischen Mutter und Bruder, der dazu führte, dass Trisha auf dieser sonntäglichen Wanderung zurückbleibt, sich seitwärts ins Gebüsch schlägt, um Pipi zu machen. Und dann ist sie auf einmal allein, mitten in einer Natur, die sie von dieser Seite, ihrer unheimlichen, unbegreiflichen, gar nicht kennen kann. Es knackt im Gehölz, und es kommt "das unterschwellig Wahrnehmbare", von dem der Vater einmal, als sie nach seinem Glauben fragte, gesagt hat, daran glaube er. Der Abgrund hinter der Felskante ist kaum tiefer als der der eigenen Seele. Aber Trisha ist tapfer und stark, und außerdem hat sie einen Walkman, mit dem sie Reportagen über die Red Sox hört und über ihren Lieblingsspieler Tom Gordon. So wie Tom das Unmögliche schafft, ein scheinbar verlorenes Spiel zu wenden, so schafft es Trisha, Sümpfe zu durchqueren, sich von rohen Forellen und jungem Farn zu ernähren, sogar einem Wespenschwarm und einem leibhaftigen Bären zu entkommen, bis sie nach neun Tagen eine Landstraße erreicht, krank bis auf den Tod, aber am Ende stehen Vater und Mutter und Bruder um das Krankenbett, und alles wird gut. Das wurde auch Zeit, denn jede Geschichte hat, wie ein gutes Baseballspiel, ihren Spannungsbogen, und wer könnte ihn besser konstruieren als Stephen King?

Stephen King: Das Mädchen Roman deutsch von Wulf Bergner Schneekluth Verlag, München 2000 302 S., 38,- DM