Wo man liest, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Bücher.

Möchte man doch meinen. Schwerer Irrtum das, wie uns Barbara Krohn, als Lektorin, Übersetzerin und Literaturkritikerin hauptberuflich im Glas- respektive Literaturhaus sitzend, mit ihrem zweiten Krimi augenzwinkernd klarmacht.

Mord unter Bücherwürmern? So was gibt's eines schwülen Sommerabends im ersten Stock eines gelb getünchten Hauses in der schönen Regensburger Altstadt, als der Literaturprofessor Paul Breitkreuz, ein ausgewiesener Herzensbrecher und momentan in seinem Vortrag von Peter Weiss' Ästhetik des Widerstands auf Seite 14 angelangt, am Stehpult vor den Damen seines Literaturzirkels in die Knie geht, Knall auf Fall. Eine Kugel kam geflogen durch das geöffnete, hell erleuchtete Fenster.

Freya Jansen, mit deren Erschaffung Barbara Krohn dem Inventar des deutschsprachigen Kriminalromans eine attraktive, ganz unemanzenhaft wetterfeste Person zugeführt hat, eine, die sich nicht unterbuttern, aber auch nichts anbrennen lässt, eine, mit der man mächtig anecken und stürmisch Freundschaft schließen kann, Hauptkommissarin Freya Jansen von der Regensburger Mordkommission kriegt zu tun - der Fall und der Chef, ein ausnahmsweise netter Kerl, verlangen nach "weiblicher Intuition". Verbrechen aus Eifersucht? Aus Geltungssucht? Verschmähter Liebe, verschleppter Rache?

Es wimmelt von möglichen Motiven und Tatverdächtigen mit wackligen Alibis in den verfilzten Winkeln von Uni und Altstadt, wo fast jeder fast jeden schon von der Schule her kennt und neben schönsten Freundschaften schönste Intrigen gedeihen, und selten ist das eine vom anderen zu unterscheiden.

Bayerische Stadtprovinz als Vorlage für einen Krimi - und eigentliches Thema.

Barbara Krohn, in Regensburg lebendes Nordlicht, hat sich mit offensichtlichem Vergnügen umgetan in den alten Gassen ihrer neuen Heimat.