Prominenz hilft verkaufen, das wussten schon die Altvordern. Wie stolz waren einst Hutmacher, Brauer oder Bäcker, wenn sie sich mit dem Titel des Hoflieferanten schmücken konnten. Das adelte selbst profane Dinge wie eine Torte oder ein Glas Helles. Auf so ein schmückendes Siegel muss jetzt das britische Nobelkaufhaus Harrods verzichten. Philip, Herzog von Edinburgh, besser bekannt als Gemahl der britischen Queen, ließ mitteilen, man kaufe für seinen Haushalt nicht mehr so viel bei Harrods, als dass das Herzog-Siegel fürderhin auf Briefbögen und Dokumenten gerechtfertigt sei. Böswillige Kommentatoren mögen diese Begründung nicht ganz glauben. Schließlich habe der Besitzer von Harrods, ein orientalischer Emporkömmling namens Mohammed al-Fayed, dessen Sohn seine letzte Autofahrt mit Lady Di unternahm, dem Prinzgemahl üble Mordkomplotte unterstellt.

Anhänger monarchisch veredelter Güter, die jetzt nicht mehr bei Harrods shoppen wollen, müssen deswegen nicht verzweifeln. Bleiben immerhin noch die Vollkornkekse, die Philips ökobewegter Sohn Charles aus dem Korn seiner Landgüter backen lässt. Und wem die zu trocken erscheinen, der kann sie ja mit dem neuen Mineralwasser des Schwedenkönigs Karl XVI. Gustaf hinunterspülen. Der möchte nämlich eine Quelle, die auf seiner Sommerresidenz sprudelt, in Flaschen unters Volk bringen. Ob die Quelle genügend Schüttung hat, um sie auch ins Land der darbenden deutschen Monarchisten zu exportieren, ist bislang nicht bekannt. Schön wär's schon. Denn der deutsche Adel macht so recht nichts mehr her. Wer möchte schon exklusiver Lieferant (Regenschirme? Boxhandschuhe?) für den schlagfertigen Welfenprinzen Ernst August sein?

Und was ist mit dem werbewirksamen Einsatz der bürgerlichen Prominenz aus Sport, Politik und Wirtschaft? Wenn Boris Becker im Fernsehen sein Aha-Erlebnis hat ("Ich bin schon drin"), reizt das hierzulande mehr Leute zum Lachen als zum Einstieg ins Internet. Und wenn ein reiselustiger Ministerpräsident für einen Charterflieger posiert, zwingen ihn verständnislose Neider zum Rücktritt. Selbst Jürgen Schrempp, jüngst bei einer Umfrage unter Managern zum "mächtigsten Mann Deutschlands" gekürt, eignet sich wohl nicht so recht als Werbefigur. Hat doch schon die Wolfsburger Allgemeine Probleme mit seinem Namen. Einen "Detlef" Schrempp haben sie aus dem Jürgen gerade gemacht.

Fehlt uns deshalb eine Identifikationsfigur? Eher nicht. Wer sich hierzulande einen Mercedes leisten kann, kauft ihn eher trotz als wegen des präpotenten Daimler-Chefs. Eigentlich ist das ja eine gute Nachricht. Es lebe die Konsumenten-Souverän-ität.