Als er 14 Jahre war, machte sich die Mutter, die seit dem Tod ihres Mannes das kleine Land verwaltete, Sorgen über den moralischen Charakter ihres Ältesten, der einmal die Regierung übernehmen sollte. Sie meinte, er sei zu verschlossen, und schrieb dies seinem Lehrer, einem berühmten Dichter. Der antwortete, ihr Sohn habe ein gutes Herz. Sie schrieb zurück: Daran habe ich nie gezweifelt, ich habe jedoch immer in seinem Charakter eine gewisse Härte zu bemerken geglaubt das ist meines Erachtens ein großes Laster und ein doppelt großes für einen Regenten ...

Vier Jahre später war er regierender Herzog, und kurz danach heiratete er. Er änderte vieles und setzte sich häufig über das höfische Zeremoniell hinweg.

Er zog einen wenig älteren Freund an den Hof, einen promovierten Juristen, mit dem er im Land oft unterwegs war, und - so erinnerte sich später ein junger Page - wenn er sich nach seinen Landpartien wieder an der Tafel einfand, brachte er fast immer den Freund mit, der dazumal in seinen steifen Bewegungen noch gar nicht für den Hof geeignet schien und statt der herkömmlichen Complimente nur ganz kurze Kopfnicker zu machen pflegte.

Anfangs war der Doktor an der Herzogstafel gar nicht zugelassen, weil sie nur Adligen zustand, die ihr Privileg eifersüchtig verteidigten. Der Herzog löste das Problem, indem er dem Freund ein kaiserliches Adelsdiplom verschaffte.

Bei der Tafel, so schrieb der Page, verursachten die großen Hunde, die den Herzog stets begleiteten, nicht selten den Unwillen der Herzogin, ja es kam vor, daß sie die Tafel schneller aufhob, weil man gewisse Ungezogenheiten nicht länger ertragen konnte, wobei sich jedoch der Herzog vor Lachen ausschütten mochte. Er konnte auch höchst ungnädig sein wirklich schwierig war es, ihm zu servieren, weil er sich alles von der linken Seite präsentieren ließ und dieses also mit der linken schwächern Hand geschehen mußte. Ich fürchtete mich jederzeit vor dem Einsetzen des Deserts und vor dem Herausheben seines Tellerwärmers, der mit heißem Wasser gefüllt und deshalb sehr schwer. Auch warf er unwillige Blicke um sich, wenn man etwas versah ja man erhielt nicht selten unangenehme Beinamen ... Ebenso nahm er es höchst ungnädig auf, wenn einer der großen Hunde, die um und neben ihm standen und die Erlaubnis hatten, Semmeln und dergl. von der Tafel zu nehmen, unsanft berührt wurde.

Seine Hunde störten auch den Doktor und Freund, der überhaupt Hunde nicht mochte. Auch das ständige Rauchen des Herzogs war ihm unlieb. Doch weder die Hunde noch Tabakrauch konnten die Freundschaft der beiden beeinträchtigen.

Und schon gar nicht ihre gemeinsame Arbeit, die Seine Königliche Hoheit der Herzog und später Großherzog als Regent und er als Geheimer Rat und Staatsminister für das Land leisteten oder doch zu leisten versuchten. Viele umfangreiche Schriftsachen oder auch kurze Notizen gingen zwischen ihnen hin und her.