Joschka Fischer, der sich gelegentlich als "alten Jagdhund" bezeichnet, hatte früh Witterung aufgenommen. Schon Anfang Dezember, am Rande der Bundestagsdebatte zur Einsetzung des Spenden-Untersuchungsausschusses, ahnte er die anschwellende Dimension der CDU-Kontenaffäre und raunte von "italienischen Verhältnissen". Andere Spitzenpolitiker, bei den Grünen, aber auch bei der SPD, schmunzelten damals noch: "Ach, warten wir zwei Wochen, dann jagt ihr Journalisten eine neue Sau durchs Dorf."

Längst ist diese Sau zu einem treuen Begleiter geworden. Die CDU röchelt im Existenzkampf, aber auch SPD und Grünen stecken ein paar Borsten im Gesicht.

Der Berufsstand des Politikers als Ganzes droht zur Jagd ausgerufen zu werden. Welche Ausmaße das annehmen kann, erlebte kürzlich Rezzo Schlauch, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, als ihn im Flugzeug ein fremder Passagier anging. Scheißpolitiker!

Fischer und Schlauch also. Gemeinsam gingen sie am Montag in die grüneninterne Koalitionsrunde und entwickelten vor den Parteifreunden eine Idee: Warum nicht aus der Not eine Tugend machen und sich auf dem Parteitag Mitte März an die Spitze der Bewegung "Saubere Hände" stellen? Sie schlugen vor, einen Parteienkritiker, vielleicht Hans Herbert von Arnim, einzuladen und das Thema Parteienfinanzierung mit den Delegierten grundsätzlich zu diskutieren.

Eine charmante Idee. Die grüne Regierungspartei, die mit der gleichnamigen Bewegung der späten siebziger Jahre kaum noch Gemeinsamkeiten aufweist, übt sich plötzlich wieder in Traditionspflege. Nach 20 Jahren entdeckt sie sich erneut als "saubere" Alternative zu den Etablierten. Allein - der Vorstoß "verpuffte", wie ein Teilnehmer der Runde berichtet. Fischer selbst beschreibt die Resonanz auf seinen Spendenparteitag optimistischer, als "explorative Diskussion".

Die Grünen tun sich schwer mit dem Thema Parteispenden. Man will nicht verzichten auf den Geldsegen aus der Fraktion. Laut Parteitagsbeschluss sollen die Abgeordneten monatlich 15 Prozent ihrer Diäten plus 1000 Mark aus der steuerfreien Kostenpauschale, insgesamt fast 3000 Mark, an die Partei abführen. Bislang störte nur wenige, dass diese Praxis nicht rechtskonform ist - und auch nicht gerecht: Wer die parteiinterne Diätenkommission von seiner Finanzschwäche überzeugt, erhält Nachlass

manch einer, zum Beispiel der Außenminister, reduziert seine Pflichten auf diese Weise gegen null.