An der Krise der CDU ist offenbar geworden - und das ist das bei weitem Gravierendste - die totale Abwesenheit jeglichen Rechtsbewusstseins. "Ich habe mir persönlich nichts vorzuwerfen", sagen Schäuble und andere. Alle sprechen angesichts von fortgesetztem Verfassungsbruch, von Untreue und Gesetzesübertretung von "Fehlern", die geschehen sind, so etwa, als handele es sich um ein Versehen bei irgendeiner Auskunft.

Die Überweisung von sieben Millionen Mark auf ein schwarzes Konto in Liechtenstein: ein Fehler? Oder die Übergabe von einer Million Bargeld in einem Einkaufszentrum: ein Fehler? Da kann sich niemand mehr entrüsten, da kann man nur noch lachen.

Und differenziert wird auch nicht. Fehler ist eben Fehler. Große Erregung herrschte darüber, dass das Fest zum runden Geburtstag von Johannes Rau, dem damaligen Ministerpräsidenten des größten Landes, mit 150 000 Mark von der West- LB bezahlt worden ist. Als ob frühere Kanzler und Bundespräsidenten die Sommerfeste und Neujahrsempfänge aus eigener Tasche bezahlt hätten! Solche Veranstaltungen, in diesem Falle handelte es sich um 1800 Gäste, gehören einfach zu den Repräsentationspflichten eines hohen Amtes. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat damals geprüft und festgestellt: Kein Anhaltspunkt für ein strafbares Verhalten. Man soll endlich aufhören, Dinge zu vermischen, die nichts miteinander zu tun haben.