Die Beweise, dass die deutsche Sozialdemokratie lernfähig ist, sind erdrückend. Das Sparpaket! Die Steuerreform! Großartig. Aber auch im Kleinen zeigt die Bewegung, dass sie an Anfangsfehlern nicht festhalten muss.

Hatte noch Gerhard Schröder, damals in Niedersachsen, die Lehrer seines Landes als faule Säcke gescholten und damit nichts als Trotzreaktionen provoziert, so macht es der Genosse Bildungssenator in Bremen, Willi Lemke, nun anders. Der Mann kommt aus der freien Wirtschaft. Er hat als langjähriger Geschäftsführer des SV Werder Bremen Erfahrung sammeln können, wie man Arbeitnehmer motiviert, die deutschen Studienräten an Sensibilität und Zuwendungsbedürfnis nicht nachstehen: durch Belobigung und Leistungsanreize natürlich, nicht durch Schimpf und Tadel.

Leider sieht das Besoldungsrecht Torprämien nicht vor. Auch hat der Beamtenbund jährliche Vergütungen jenseits der Zehnmillionengrenze bisher nicht einmal im höheren Dienst durchsetzen können. Bildungssenator Lemke sieht sich deswegen auf den ideellen Leistungsanreiz verwiesen. Die fleißigsten Lehrer im Stadtstaat sollen regelmäßig zum Kaffeetrinken ins Rathaus eingeladen werden. Das bedauerlicherweise immer noch mit Vorurteilen belegte bremische Bildungswesen steht damit fraglos vor einer Leistungsexplosion. Geschickt hat Willi Lemke es hinbekommen, knallharte kapitalistische Managementmethoden und sozialdemokratische Gemütlichkeit unter einen Hut zu bringen. Das muss er sein, der Dritte Weg.

Darf's noch ein Tässchen Kaffee sein, Herr Senator?