Aus der Zeit, als es in Deutschland zwei Kalender gab, berichtet ein Denkmal, das sich in der kleinen Gemeinde Lauterbach, zehn Kilometer südwestlich von Bischofswerda, in Sachsen befindet. Am Dorfeingang steht eine etwa zwei Meter hohe Säule aus Sandstein, auf der zu lesen steht: "1584 Iar das ist war zvene Ostern in einen Iar." Die katholische Bevölkerung des Dorfes rechnete bereits nach dem neuen "päpstlichen" Kalender, die evangelische sah ihre Religionsfreiheit bedroht und hielt am alten Julianischen Kalender fest. So feierte die katholische Bevölkerung 1584 bereits am 1. April das Osterfest, während für die evangelische Bevölkerung dies erst für den 19. April zutraf. Dieses einmalige Denkmal ist vermutlich aus einer alten Betsäule entstanden und berichtet über die konfessionelle Zerrissenheit eines kleinen Dorfes sowie über die damit verbundene Kluft in der Zeitrechnung.

Arnold Zenkert, Potsdam