DIE ZEIT: Die Bundesforschungsministerin hat soeben in der Berliner Urania das Jahr der Physik eröffnet, um den Dialog zwischen Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit zu verbessern. Warum fällt diese Kommunikation den Forschern oft so schwer?

ACHIM GOERES: Ein zentrales Problem ist der Rang der Forschung in der Gesellschaft. Die reine Wissenschaft hat im 20. Jahrhundert trotz ihres tiefgreifenden Einflusses erheblich an öffentlichem Ansehen und Förderung verloren. Gegenüber Geldgebern und Politikern fühlen wir Wissenschaftler uns tendenziell herabgesetzt und nicht wichtig genug genommen. Daher versuchen wir, unseren Status aufzubessern: Wir betonen die Wichtigkeit unserer Arbeit und führen hochkomplizierte Dinge vor, um Eindruck zu machen und als Forscher überleben zu können.

ZEIT: Sie selbst sind promovierter Astrophysiker und zugleich Kommunikationstrainer. Was raten Sie Ihren Kollegen?

GOERES: Wir sollten uns zunächst ehrlich selbst fragen: Was treibt mich eigentlich, Wissenschaft zu machen? Welche persönlichen Beweggründe haben mich dazu gebracht, was begeistert mich? Wir müssen in der Wissenschaft wieder die Beziehung zu den Menschen suchen.

ZEIT: Wie sieht so etwas konkret aus?

GOERES: Nehmen Sie die Eröffnungsausstellung zum Jahr der Physik. Einige meiner Kollegen zeigen da eindrucksvolle, komplizierte Geräte oder faktenreiche Plakate, und wenn ein interessierter Besucher kommt, überschütten sie ihn mit Information. Selbst in der Körperhaltung zeigt sich das Bedürfnis, Distanz zu halten und etwas darzustellen. Es gibt aber auch andere, die für Laien offen sind und zunächst einmal wahrnehmen, was ein Besucher wirklich will. Sie bauen durch Nachfragen eine persönliche Beziehung auf und geben nicht mehr Informationen, als ihr Gesprächspartner im Moment aufnehmen kann. Solche Wissenschaftler stellen sich auf eine Stufe mit dem Publikum - laufen dadurch aber auch Gefahr, von ihren Kollegen als "Feuilletonisten" abgewertet und nicht ernst genommen zu werden.

ZEIT: Sie geben Kurse in interdisziplinärer Kommunikation. Was lehren Sie dabei?