Zwei Firmen haben die Welt der Personalcomputer fest im Griff: Microsoft, der Hersteller des Windows- Betriebssystems, und Intel, der Chipfabrikant. Beide haben auf ihrem Gebiet einen Marktanteil von über 80 Prozent. Schon oft ist die unheilige "Wintel"-Allianz attackiert worden, bisher vergeblich. Nun fordert eine kleine Startup-Firma namens Transmeta nach fast fünfjähriger Geheimniskrämerei den Riesen Intel heraus: Sie präsentiert eine Chipserie mit dem Namen Crusoe, die eine Alternative zu den Intel-Pentium-Prozessoren sein soll.

Die beiden Crusoe-Chips, gefertigt von IBM, zielen auf zwei verschiedene Segmente des zukunftsträchtigen Markts für mobile Computer. Der kleinere TM3120 soll den aufkommenden Minigeräten, etwa Handys und Organizern, zu größerer Rechenkraft verhelfen. Der TM5400 dagegen begibt sich in direkte Konkurrenz zu Intel: Er soll in tragbaren PCs stecken, die die gängige Bürosoftware beherrschen und voll Internet-fähig sind.

Transmeta will diesen Traum wahr machen, ohne dass der Benutzer auf seine gewohnte Windows- Umgebung verzichten muss. Denn Crusoe soll voll Intel-kompatibel sein.

Mit zwei Tricks konnten die Transmeta-Ingenieure den Stromhunger von Crusoe auf lediglich 1 Watt (Intel: 14 Watt) begrenzen. Erstens: Ein internes System mit dem Namen Long Run merkt, wenn der Prozessor wenig zu tun hat, etwa beim Bearbeiten von E-Mails. Dann senkt er Arbeitsspannung und die Taktfrequenz ab. Verlangt der Nutzer dagegen viel von seinem Rechner, etwa beim Abspielen von Video-DVDs, dann liefert Crusoe die volle Leistung. Zwar präsentierte Intel in der vergangenen Woche unter dem Namen Speedstep sein eigenes Stromsparkonzept, das aber kennt nur zwei Leistungsstufen, je nachdem ob der Rechner an der Steckdose hängt oder auf Batteriebetrieb läuft.

Die eigentliche Revolution des neuen Chipdesigns ist aber das so genannte Code Morphing. Das bedeutet, dass viele Aufgaben, die bei herkömmlichen Chips in der Hardware fest verdrahtet sind, bei Crusoe von der Software übernommen werden.

Ein Intel-Chip besteht aus vielen Komponenten. Spezielle Untereinheiten zerlegen die vom Windows- System gelieferten Befehlsfolgen in unabhängige Pakete, die parallel verarbeitet werden können. Die mit den Jahren gewachsene Zahl von Spezialmodulen machten den Chip immer größer, hungriger, heißer.

Der Crusoe-Prozessor, der nach dem so genannten VLIW-Prinzip arbeitet (für very large instruction word), erledigt alle diese Spezialtätigkeiten per Software, die austauschbar in einem angehängten Speicher lagert. Dadurch wird der Prozessor selbst kleiner und einfacher. Weil letztlich doch alle Rechnungen in der Hardware vorgenommen werden müssen, macht dieses Verfahren den Chip ein bisschen langsamer - Experten schätzen, dass ein Crusoe mit 700 Megahertz etwa so schnell ist wie ein Pentium mit 500 Megahertz.