Tausend Unternehmer und Topmanager versammeln sich, sie treffen auf Forscher, auf Politiker aus aller Welt; einige feiern die globale Marktwirtschaft, andere machen Geschäfte oder genießen schlicht das soziale Ereignis, sie kosten ihre Macht aus, wenn Staatschefs um Investitionen buhlen - Davos.

Protest, rufen die Gegner der Globalisierung und wollen jetzt am Ort des Geschehens demonstrieren. Vor einigen Wochen beim Gipfeltreffen der Welthandelsorganisation in Seattle hatten sie mit ihren Blockaden Erfolg: Der Freihandel hatte dort keine Chance. Nun fordern sie den selbstgefälligen Homo Davosiensis (Richard Sennett) in den Schweizer Alpen heraus.

Wenn nicht der visionäre Deutsche Klaus Schwab vor rund 30 Jahren das Forum gegründet hätte, müsste man es erfinden. Wie unter der Lupe zeigt Davos Stimmungen und Machtverhältnisse der Weltwirtschaft. Längst ist die arrogante Behauptung, dass der freie Weltmarkt alle Fragen beantworte, dem Nachdenken gewichen. Hier die kritische Weltöffentlichkeit, die dank staatsferner Organisationen (NGOs) Einfluss gewinnt, dort die rasante Ökonomie, die das Leben auch an der Spitze ungemütlich macht: Wirtschaftsführer stehen selbst unter Druck.

Und beim World Economic Forum begegnen sie Andersdenkenden, die ihnen in den Hauptquartieren der Konzerne nie unterkämen. Kofi Annan und Nelson Mandela reden ihnen ins Gewissen, Kulturkritiker und Armenhelfer kommen zu Wort.

Das Forum ist bewusst elitär und unbewusst prätentiös. Ein privates Treffen, das nicht mehr privat, aber nur wenigen zugänglich ist: Muss es sich deswegen den Vorwurf mangelnder Demokratie gefallen lassen? In Davos waren schon erste NGOs anwesend, als Regierungen sich noch zu fein waren, sie zur Kenntnis zu nehmen. Dieses Jahr wachen unabhängige Organisationen als "öffentliches Auge" über Davos, damit die Interessen der Gewöhnlichsterblichen nicht ganz untergehen. Und längst finden Verfechter einer neuen Weltwirtschaftsordnung Gehör, an deren Gestaltung sich auch NGOs beteiligen sollen.

Die Welt ist beweglicher und unübersichtlicher geworden. Und die Globalisierung kann nur ohne Desaster weitergehen, wenn alle Akteure daran mitwirken - einschließlich der Konzerne, die nur allmählich lernen, dass sie im eigenen Interesse Menschenrechte wahren und soziale wie ökologische Rücksichten nehmen müssen. Davos ist Teil der notwendigen Verständigung - jedenfalls so lange, bis die Staatengemeinschaft eine Alternative zu bieten hat.