Anfragen über Anfragen! Einen ganzen Waschkorb mit lieben Briefen hat die ZEIT (www.zeit.de) von ihren geschätzten Lesern erhalten. Und ein gebührenpflichtiger Sportsender will unsere Geschichte vom Sonnenkönig und seinem Pfälzer Kaiserfreund sogar verfilmen. Danke, ARD!

Nun, die Geschichte geht so. Wie höhere Töchter wissen, war König Ludwig XIV. zwar berühmt, erlebte aber eine traurige Beerdigung. Nur die Angetraute, seine Mätresse und 28 verheulte dames du lit royal geleiteten ihn 1715 zur letzten Ruhe. Ernst-August I., Prince of Hanover, fehlte, weil er den kaiserlichen Hofkapellmeister wegen Ruhestörung hospizreif geschlagen hatte ("eine links, eine rechts"). Und das Geschlecht derer zu Sayn-Wittgenstein war nach schwerer Dukatenschieberei mit öffentlichem Achsbruch liegen geblieben und von hessischen Press-bengeln übel zugerichet worden.

Heute weiß man: Das war eine gepuderte Lüge. Tatsächlich hatte der Sonnenkönig nicht das preußische Remisenwesen, sondern den pfälzischen Kaiser Karl VI. geschmiert. Damals drohte Karl, genannt der Dicke, ein Stechen gegen seinen aussichtsreichen Rivalen Prinz Rudolf I., einem dünnlippigen Spross des hochrheinischen Flachadels. Das Schwarzgeld aus Versailles wirkte Wunder. Rudolf I. stürzte vom Pferd, wobei Fremdeinwirkung durch bestochene Schildknappen nicht ausgeschlossen wird.

Und warum die Geldschleuserei? Wie Hasso von Dewitz, Sprecher des Deutschadels, der ZEIT submissest bestätigt, befürchteten König Ludwig und die Pfälzer Durchlaucht einen europäischen Staatsnotstand. So gründeten sie im Séparée von Chambord das Großreich Charlemagne, um die spätere Französische Revolution schon im Keim zu ersticken. Das nennen wir weise.

Bekanntlich wehte der Mantel der Geschichte anders. Die Belle Alliance scheiterte, der Sonnenkönig starb, und Karl VI. wurde wegen Unterschleif beklagt. Von den eigenen Vasallen bedrängt, floh er nach Hamburg, wo ihn die ehrenwerte Gesellschaft der Hanse zwischen Pfeffersäcken versteckte. "L'État c'est moi", posaunte er, bis seine Kaiserpartei ein anderes Lied hören wollte und zerfiel. Und schon war Finis