Gate Bravo, Gate Alpha heißen im Sprachgebrauch der UN-Soldaten die beiden Tore, die nur ihnen offen stehen: Gate Bravo liegt am letzten Außenposten Syriens am Rand des Golan-Höhenzugs. Den Soldaten der UN-Mission, die hier seit dem Waffenstillstandsabkommen von 1974 stationiert sind, gewährt es Durchlass zu Gate Alpha - das liegt auf israelischer Seite.

Dazwischen liegen wenige hundert Meter - unüberwindbar für Syrer und Israelis. Denn zwischen Bravo und Alpha liegen drei Kriege und Jahrzehnte von Feindschaft und Vertreibung. Dazwischen liegt auch das schiere Unverständnis zweier Staaten, die sich diametral gegenüberstehen: Israels streitfreudige, offene Demokratie auf der einen, Syriens erstarrte Diktatur auf der anderen Seite.

Tel Asania, Golan, Israel. Ostwind wäre gut. Dann drehen sich die Rotoren seiner zehn Windmühlen am kräftigsten. Yoav Tsur, 50, schaut hoch zu seinem Lebenswerk: Israels erster Windkraftanlage. "Ich habe sie geplant, einen passenden Hügel gesucht und die Windmühlen selbst aufgebaut." Tsur, der seit 1979 mit seiner Familie auf dem Golan lebt, spielt Klavier auf Hochzeiten und Festen, ist mit dem Bürgermeister des einzigen Golan-Städtchens, Sammy Bar Lev, befreundet und hat - wie 58 Prozent der Golanis - bei den letzten Wahlen 1999 für Ehud Barak als Ministerpräsident gestimmt.

Doch seit ein paar Wochen grüßt ihn der Bürgermeister nicht mehr. Auch zum Klavierspielen hat ihn keiner mehr eingeladen, seit er öffentlich gesagt hat, dass es richtig sei, für Frieden das Land wieder herzugeben. "Verdammt noch mal", sagt Tsur, "wir wussten doch, wofür wir Barak gewählt haben!"

Drei Monate vor der Wahl sei Barak in Katzrin aufgetreten und habe es allen gesagt: Wir werden einen schmerzhaften Preis zahlen müssen! Tsur und ein paar Freunde kopierten die Rede und steckten sie in jeden Briefkasten auf dem Golan. Vor einer Weile fand er in seinem Briefkasten anonyme Post - eine Patrone mit Begleitschreiben: "Du dreckiger Verräter. Wir werden dich kriegen!" Aber, so sagt er, das schrecke ihn nicht so sehr.

Es sei ein anderes Geschoss gewesen, das Yoav Tsurs Überzeugung vor vier Jahren eine Richtung gab: der knappe Laut von Schüssen, als Meter von ihm entfernt Ministerpräsident Jitzhak Rabin in Tel Aviv erschossen wurde. "Und wenn ich eines daraus gelernt habe, dann das: Wir dürfen die Straße nie wieder den Rechten überlassen!"

Etwas wehmütig schaut er hoch zu seinen zehn Turbinen: "Wir werden gehen müssen, auch wenn das der traurigste Tag meines Lebens sein wird." Was ihn schmerzt, ist nicht bloß die Aussicht auf Abschied, sondern Hafiz al-Assads kolportierte Ankündigung, im Falle einer Golan-Rückgabe "jedes Zeichen israelischer Besatzung" zu beseitigen. "Man kann Frieden doch nicht mit Zerstörung beginnen."