Was ist das? Ein höchst normal, ja gut aussehender und jedenfalls erwachsener Mann steht vor beinahe 2000 begeisterten Leuten und spricht, in allem Ernst, Wörter wie diese: Tabaluga, Blinky Bill, Skippy, Flipper und Lopaka. Dazu zeigt er krachende und quiekende Filmschnipsel. Und die Leute klatschen, als wären sie soeben mit einem Charterflug auf Mallorca gelandet.

Tatsächlich sitzen sie in einer Münchner Messehalle. Erleben gerade die Hauptversammlung der EM.TV & Merchandising AG. Und der da zu ihnen spricht, ist Thomas Haffa, Gründer, Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft. Der, der eine ganze Reihe seiner Zuhörer in weniger als zwei Jahren zu Millionären gemacht hat. Das ist das.

Der Mann, der auch auf den zweiten Blick eher nüchtern wirkt, dessen Sprache - bei aller Betonung des Erfolges - beinahe karg bleibt, dieser Thomas Haffa wird von seinen Aktionären wie ein Popstar bejubelt. Darauf später angesprochen, lehnt er sich abwehrend weit zurück in seinen Stuhl. Mehr als ein schiefes, verlegenes Grinsen fällt ihm dazu nicht ein. Man muss es halt ertragen. Eigentlich ist es ja auch ganz schön. Wenn auch, wiederum, durchaus beschwerlich. "Wir tragen eine Riesenverantwortung für unsere Aktionäre", sagt er, so oder anders, wiederholt. Und ärgert sich über externe Kritiker, Journalisten oder Konkurrenten, "die dem Unternehmen schaden".

Allzu viele gibt es von denen (noch?) nicht. Zu beeindruckend ist der Höhenflug von EM.TV, wenn auch, wie zu beschreiben bleibt, gerade dies die Bedenkenträger auf die Bühne ruft. Ihr Motto: Wer hoch fliegt ...

Vorderhand macht Thomas Haffa keineswegs den Eindruck, abgehoben zu haben. Vielmehr steht er, zumal rhetorisch, ziemlich fest auf dem Boden. Da aber, als sei das seine natürliche Position, im Mittelpunkt. Zum Beispiel in Duisburg, Gerhard-Mercator-Universität. Das European Center for Financial Services hat geladen, Thema: "Neuer Markt und neue Werte." Unterthema: "Von der Goldgräberstimmung zur nachhaltigen Ertragssteigerung?" Mit Fragezeichen also. Wie selbstverständlich nehmen die Diskutanten Thomas Haffa in die Mitte - drei Banker, ein Professor und ein weiterer Senkrechtstarter. Und selbstverständlich auch wird er als Erster reden und später die meisten Fragen zu beantworten haben. Er erzählt von seinem Geschäft, dem Lizenzhandel, von der vielfältigen Vermarktung von Kinder- und Familien-TV-Programmen, vom Aufbruch in die Welt der Erwachsenen "mit den Bereichen TV, Kino und Sport", von Events, Merchandising und der Verknüpfung all dieser schönen Dinge. Von Wachstum und Gewinnen. Thomas Haffa ist ein Verkäufer, seiner Sache, seiner selbst. Und so vergisst er natürlich nicht sein schönstes Argument: Wer vor zwei Jahren für EM.TV-Anteile ungefähr 6000 Mark investiert hat, ist heute Millionär - der Aktienkurs ist zwischenzeitlich um 15 000 Prozent gestiegen, gleichsam explodiert.

Das ist nicht normal. Aber es ist so. EM.TV ist, wie viele andere Teilnehmer des Neuen Marktes (siehe unten stehenden Artikel), nicht mit den üblichen Instrumenten des Unternehmensberichterstatters zu vermessen. Eine Episode am Rande der Duisburger Fragestunde macht das noch auf andere Weise anschaulich: Wie hoch war die letzte Dividende?, will ein Fragesteller wissen. Thomas Haffa, der bis dahin alles routiniert und, auch rhetorisch, selbstsicher beantwortet hat, versteht nicht. Hin und her. Leichtes Gestotter. Vielleicht 0,04 Cent?

Dividende interessiert nicht, was zählt, sind steigende Kurse