Es könnte ein großer Auftritt werden, vielleicht gar ein triumphaler. Am 31. Januar wird Bill Gates vor die Gäste des Weltwirtschaftsforums in Davos treten. Und ausnahmsweise wird der Microsoft-Gründer nicht in die virtuelle Zukunft blicken, sondern sich der düsteren Realität widmen, jenen drei Millionen Kindern, die weltweit jährlich an Infektionskrankheiten sterben - obwohl Impfstoffe und potente Arzneien verfügbar wären. Die Bill and Melinda Gates Foundation stellt in den kommenden fünf Jahren 750 Millionen Dollar für ein Impfprogramm bereit. Gemeinsam mit Gates, Unicef und der pharmazeutischen Industrie hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Global alliance for Vaccines and Immunization ins Leben gerufen.

Für die WHO-Chefin Gro Harlem Brundtland dürfte diese Initiative eines der deutlichsten Zeichen für ihre erfolgreiche Politik sein. Seit die Ärztin und ehemalige Ministerpräsidentin Norwegens die Geschicke der Weltgesundheitsorganisation bestimmt, hat sich bei der ehemals unbeweglichen Genfer UN-Behörde vieles getan. Regierungen zeigen plötzlich wieder Interesse für die internationale Gesundheitspolitik, Pharmafirmen kooperieren, Unternehmer spenden.

In ihrem Kampf für die Interessen der ärmsten Staaten der Welt findet Gro Harlem Brundtland bei den Vereinten Nationen mehr und mehr Verbündete. Während die internationale Politik lange Zeit nur nach Afrika blickte, wenn dort Hungersnot oder Bürgerkrieg drohte, gerät heute zunehmend die desolate Gesundheitsversorgung in den Blick der Mächtigen. US-Vizepräsident Al Gore kündigte an, seine Regierung werde 150 Millionen Dollar für den Kampf gegen Infektionskrankheiten bereitstellen.

Der plötzliche - wenn auch vergleichsweise bescheidene - Geldsegen hat nicht nur karitative Hintergründe. Anfang des Jahres stellte der Weltsicherheitsrat erstmals fest, Aids und andere Infektionskrankheiten in den Entwicklungsländern seien zu einem gewichtigen Thema der internationalen Sicherheitspolitik geworden. "In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Weltsicherheitsrat damit beschäftigt, Aggressionen zu begegnen und bewaffnete Konflikte zu lösen", sagte Al Gore auf einem Treffen vor einigen Tagen. "Doch nun gibt es neue Kräfte, die schon bald die internationale Ordnung verändern werden. Wir brauchen eine weiter gefasste Sicherheitsdefinition." James D. Wolfensohn, Präsident der Weltbank, fand noch deutlichere Worte: "Die Aids-Epidemie destabilisiert Länder effektiver, als es der Krieg tut."

Die Zahlen des jüngsten WHO-Gesundheitsberichts geben ihm Recht: 45 Prozent aller Todesfälle in den Entwicklungsländern sind auf Infektionskrankheiten zurückzuführen, doppelt so viele wie in der globalen Statistik.

- Die meisten Opfer fordert die Tuberkulose. Woche für Woche erkranken 150 000 Menschen, 95 Prozent der Infizierten leben in Asien und Afrika. Bilanz eines Jahres: drei Millionen Tote.

- Die klassische Tropenseuche Malaria kostet Jahr für Jahr etwa zwei Millionen Menschen das Leben.