Düsseldorf

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Heinz Schleußer bleibt dabei: Mehr als die beiden privaten und auch privat bezahlten Flüge mit der Chartergesellschaft der Westdeutschen Landesbank hat es nicht gegeben.

Es machte die Sache nicht besser, dass Ministerpräsident Wolfgang Clement seinem Finanzminister mit den Worten beisprang, dies sei "ein sehr normaler menschlicher Fall" - wirft die Formulierung doch die Frage auf, was in der Landesregierung Nordrhein-Westfalens eigentlich als normal gilt. Etwa Privatreisen auf Kosten der Landesbank? Schleußer will die WestLB jetzt bitten, "zu ermitteln, welche Kosten im Zusammenhang mit meiner Begleitung entstanden sind", und diese umgehend erstatten. Das kommt zehn Jahre zu spät. So gesehen ist die Prognose von Ministerpräsident Clement überholt, die Untersuchung werde sich "als ein Ehrenschutz für uns erweisen".

Privatreisen auf Staatskosten, versichert Schleußer, habe es nicht gegeben - und an den fraglichen Flug nach Bremen, bei dem es nach Aussage eines Piloten um die Besichtigung oder den Kauf eines Bootes gegangen sein soll, könne er sich nicht erinnern. Ob das stimmt?

Auch eine weitere Frage in Sachen Schleußer ist noch nicht gänzlich ausgeräumt: Hatte der Finanzminister seinen Freund, den WestLB-Chef Friedel Neuber, vor einer bevorstehenden Hausdurchsuchung gewarnt? Vor wenigen Tagen stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen in dieser Sache ein, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die wichtigste Belastungszeugin ihr Wissen nur aus zweiter Hand bezogen hatte und bei der eidesstattlichen Erklärung Geld im Spiel gewesen war. Inzwischen hat im Flugaffärenausschuss ein weiterer Zeuge die Geschichte von der verratenen Durchsuchung erzählt. Auch er kennt freilich den Sachverhalt nur vom Hörensagen - und das sind oft zweifelhafte Beweise.

Gemessen an der Spendenaffäre der Christdemokraten, sind die Extratouren des Düsseldorfer Regierungs-Jet-Sets allenfalls ein Skandälchen. Insofern ist es bitter für Schleußer, dass er der Union nun wenige Monate vor der Landtagswahl als Zielscheibe ihrer Gegenangriffe dienen muss. Bitternis lässt Schleußer jedoch nicht erkennen. Ein wenig wortkarger als sonst ist er in diesen Tagen, doch keine Spur von Zerknirschung oder Trotz. Wenn er überhaupt je trotzig reagiert hat, dann ist das lange her: 1957 trat der Pfarrjugendführer Schleußer, Jahrgang 1936, in die SPD ein, weil er nicht in Ordnung fand, dass die katholischen Bischöfe verkündeten, gute Katholiken könnten nicht SPD wählen.

Politisch sozialisiert wurde der gelernte Betriebsschlosser in seiner Heimatstadt Oberhausen über den bei der SPD klassischen Weg, die Ochsentour. Jungsozialist, Bezirksvorstand, Mitglied des Stadtrates, dort dann Fraktionsvorsitzender. Parallel dazu Betriebsratsmitglied und Geschäftsführer der IG-Metall Oberhausen. 1975 erste Wahl in den Landtag, 1982 bis 1998 Vorsitzender des einflussreichen SPD-Landesbezirks Niederrhein, seit 1988 Finanzminister; mittlerweile der dienstälteste der Republik.