Berlin Immer mehr Puzzleteilchen liegen auf dem Tisch. Muss man sie nur richtig zusammenfügen, um ein Bild zu gewinnen? Oder fehlen einige, vielleicht sogar die entscheidenden Teile zu einem viel größeren Motiv? Diese Frage wird die Öffentlichkeit beschäftigen, auch nach dem "Abschlussbericht" der CDU-Wirtschaftsprüfer, der bestenfalls eine Momentaufnahme darstellt.

Aus dem Dickicht der bisherigen Informationen und Zahlen lässt sich ein Betrag herauslesen, der die Spendenpraxis der CDU in einer neuen Dimension erscheinen lässt: Seit 1983 hat die Partei mit mindestens 50 Millionen Mark gearbeitet, deren Herkunft unklar, mithin unrechtmäßig ist.

Das größte Schwarzvermögen häufte die Partei in der Schweiz an. Mindestens 36 Millionen Mark liefen über jenes Züricher Konto, das von der in Liechtenstein ansässigen Stiftung Zaunkönig - gegründet von hessischen CDU-Funktionären - verwaltet worden sein soll. Nach bisherigem Erkenntnisstand sind von diesem Konto in den vergangenen zehn Jahren über 15 Millionen Mark, meist getarnt als anonyme Vermächtnisse, ins Rechenwerk der Partei geflossen. Weitere vier Millionen Mark wurden abgehoben und verschwanden. Zurzeit liegen noch 17 Millionen Mark auf dem Konto, das derzeit nach Deutschland transferiert werden soll.

Dass die Parteispitze dieses Konto gleichsam als "hessisches Problem" auf die Verantwortungsebene des Landes abschiebt, verwundert. Einnahmen der Landesverbände müssen im Rechenschaftsbericht der Bundespartei ausgewiesen werden, gelten damit als Gesamtparteigelder. Auch weisen einige Indizien darauf hin, dass sich die Bundespartei unmittelbar aus dem Konto bedient haben könnte. Im Haus des CDU-Steuerberaters Horst Weyrauch fanden sich Belege, mit denen er Dienstreisen nach Zürich nicht nur bei der hessischen CDU, sondern auch bei der CDU Deutschland abgerechnet hat. Zudem haben die Wirtschaftsprüfer auf einem der Bundeskonten eine Bareinzahlung (94 000 Mark) entdeckt, die Weyrauch in Franken getätigt hat. Angeblich wurden ihm die Schweizer Banknoten von Hans Terlinden überreicht, der sie wiederum von Helmut Kohl erhalten haben soll.

Weitere mindestens 12 Millionen Mark "ungeklärter Herkunft" wanderten durch das Kontensystem, das Weyrauch direkt für die Bundespartei angelegt hatte wie viel Geld vor 1989 auf diesen Konten bewegt wurde, bleibt weiter im Dunkeln. Für bis zu zwei Millionen Mark - das entspricht ungefähr den Bareinzahlungen der Jahre 1993 bis 1998 - hat der Altkanzler die Verantwortung übernommen. Damit kann die CDU für vier Prozent ihrer Schwarzgelder eine Herkunftserklärung anbieten.

Um einen Sonderfall handelt es sich bei der Million, die der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Joachim Hörster, dem Kohl-Mitarbeiter Terlinden im Januar 1997 in bar übergeben hat. Unter der Überschrift "Ungeklärte Bareinzahlungen" schreiben die Wirtschaftsprüfer vorsichtig, gleichwohl überraschend: "Dieser Betrag wird als geklärt unterstellt." Das Geld soll von einem Fraktionskonto stammen, für das Hörster und sein Chef Wolfgang Schäuble bislang keine hinreichenden Belege beibringen können.

Das Finanzgebaren der Union erinnert an kriminelle Methoden Damit bleibt unklar, ob das Geld tatsächlich von Abgeordneten und aus der Kasse der Bundespartei stammt. Zusätzliche Fragen hinterlässt der Tod des Fraktionsfinanzchefs Wolfgang Hüllen. Auch wenn der Anwalt der Hinterbliebenen Mord inzwischen ausschließt, hält er es doch für möglich, dass Hüllen in eine "psychische Notlage getrieben" worden sein könnte. "In der Fraktion", sagt der Anwalt, "gibt es noch einiges aufzuklären."