Ein Tritt mit dem Stollenschuh kann den Kurs einer Aktie gehörig ins Straucheln bringen. Als der britische Stürmerstar Alan Shearer bei einem Testspiel mit Verdacht auf Bänderriss vom Platz humpelte, reagierte die Londoner Börse prompt. Binnen Minuten war Shearers Klub Newcastle United fast 26 Millionen Mark weniger wert. Ähnliches hätte in diesen Tagen in Dortmund passieren können: Spielmacher Andreas Möller erlitt einen Muskelbündelriss - gäbe es bereits die Borussia-Aktie, würde deren Kurs wohl ebenfalls kränkeln.

Willkommen in der Fußballwelt 2000. Was sich wie eine Vision anhört, wird bald Realität sein: Bundesligaklubs, deren Aktien an der Börse gehandelt werden

Topspieler, die mit ihren Toren den Shareholder-Value mehren

Verletzungen, die Fans und Anleger gleichermaßen verschrecken. Längst haben Vereine wie Dortmund, Hertha BSC Berlin oder Eintracht Frankfurt die Finanzplätze entdeckt. Ihr Ziel: mit einer kräftigen Kapitalspritze zum internationalen Erfolg.

Genau 100 Jahre nach Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist das ein radikaler Einschnitt: Künftig liegt die Wahrheit nicht mehr allein "auf'm Platz", sondern auch auf dem Parkett der Börse. Einzig der oberste Fußballer, DFB-Präsident Egidius Braun, klammert sich tapfer an die gute alte Zeit. Er sieht im "Versuch des Kapitals, sich des Fußballs zu bemächtigen", die "größten Gefahren". Finanzexperten prophezeien ohnehin, dass sich die Börsenträume einiger Bundesligisten als schiere Illusion erweisen könnten.

Doch das Kapital hat die Kicker auch so längst fest im Griff. Die Bundesliga ist zum Milliardengeschäft geworden, das sich aus einer Mischung von Eintrittsgeldern, Sponsorenüberweisungen, Werbeverträgen und den Zahlungen der Fernsehsender speist. Im Geschäftsjahr 1998/99 erreichte die Liga den Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Mark - doppelt so viel wie vor fünf Jahren.

Allein 320 Millionen Mark zahlen der Privatsender Sat.1 und der Abokanal Premiere für die Fernsehrechte pro Saison an den DFB. Die Summe verteilt der Verband an die Vereine der ersten und zweiten Liga. Doch den großen Klubs reicht das nicht aus. Nun ist schon von 700 Millionen Mark die Rede.