Der zweite Grund, warum Greenspan unentbehrlich ist, hat mit der Politik zu tun. Die Republikaner können die Berufung des Vorsitzenden der Fed blockieren. So kurz vor den Präsidentschaftswahlen würden sie aber kaum irgendeinen Demokraten bestätigen, den Clinton vorgeschlagen hätte. Umgekehrt ist aber auch undenkbar, dass Clinton irgendeinen anderen Republikaner als ebenjenen Greenspan nominiert hätte.

Fazit: Alan Greenspan ist unentbehrlich und wird so lange dafür gehalten, bis dem glorreichen Rekordlauf des amerikanischen Aktienmarkts die Puste ausgeht.

Erst wenn die Realität die Menschen einholt, werden sie merken, dass auch der Notenbankchef nur ein Mensch ist. Die Gelehrten werden uns daran erinnern, dass die Macht der Fed, die die Welt und all ihre Finanzmärkte mit dem dünnsten aller Hebel, dem Leitzins, bewegt, höchst begrenzt ist. Und in den Medien werden die Kritiker der Fed große Pläne für die Reform der Notenbank ausbreiten. Greenspan wird unterdessen im Amt bleiben und einfach hoffen, dass alles noch mal gut geht.

Roger M. Kubarych ist Senior Fellow für internationale

Ökonomie und Finanzen am Council on Foreign Relations