Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Euro, der an der Devisenbörse gerade noch etwas mehr kostet als ein Dollar, und einem Euro, der knapp unter einem Dollar gehandelt wird? Die simple Antwort: Es gibt (fast) keinen Unterschied - auch wenn Panikmacher und Euro-Gegner den Wechselkurs von eins zu eins immer wieder zur "magischen" oder "psychologischen Grenze" hochstilisieren.

Das Gejammer darüber, dass die europäische Einheitswährung gegenüber dem Dollar im ersten Jahr ihres Bestehens 15 Prozent ihres Wertes verloren hat, ist überhaupt nicht berechtigt (von jenen Einzelfällen abgesehen, in denen jemand schwarze Kassen in Liechtenstein oder anderswo außerhalb der Euro-Zone angelegt hat und jetzt Vermögensverluste zu beklagen hat). Es ist eine völlig irrige Ansicht, dass ein Wechselkurs umso besser ist, je höher er ist - die Deutschen haben doch in früheren Jahren genug leidvolle Erfahrungen mit der ständigen Aufwertung der Mark gesammelt.

Für die Europäische Zentralbank wäre es ein Leichtes gewesen, durch Zinserhöhungen den Euro-Kurs nach oben zu treiben. Aber was wäre dann geschehen? Eine Katastrophe. Das zarte Pflänzchen Konjunkturaufschwung, das hoffentlich in diesem Jahr zu voller Blüte kommt, wäre schlicht platt gewalzt worden.

Es geht nicht darum, künstlich einen schwachen Euro-Kurs herbeizuführen, um daraus für die Volkswirtschaft in Euro-Land Exportvorteile zu schlagen. Die ökonomische Funktion von Wechselkursen ist es, ein Gleichgewicht zwischen dem Inland - in diesem Fall der Euro-Zone - und dem Rest der Welt herzustellen, und zwar unter Berücksichtigung von ausreichendem Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätzen und stabilen Preisen. So ist auch der niedrige Euro-Kurs gegenüber dem Dollar das Ergebnis der wirtschaftlichen Entwicklung, etwa des lahmen Wachstums in Deutschland und der - noch - ungebrochenen Dynamik in den Vereinigten Staaten.

Sorgen muss man sich nicht um den Kurs, sondern um die wirtschaftliche Zukunft hierzulande machen. Wenn aber die Konjunktur in Deutschland, der größten Volkswirtschaft in Euro-Land, anspringt, wenn es dank einer vernünftigen Steuer- und Tarifpolitik mehr Wachstum und zusätzliche Arbeitsplätze gibt, wenn die Europäische Zentralbank sogar aus Angst vor inflationärer Überhitzung die Zinsen erhöhen muss - dann steigt auch der Wechselkurs wieder. Und dann - aber nur dann - macht ein hoher Wechselkurs glücklich.