Dieses Wiener Kabinettstück wäre vielleicht lustig, wenn's net so traurig wär. Doch das Lachen vergeht einem, und vor lauter Kopfschütteln verrenkt man sich den Hals. Die Farce als Trauerspiel: Einer hat offiziell den Auftrag, wenigstens eine Minderheitsregierung zu bilden, und kommt nicht weiter, zwei andere verhandeln ohne jeden Auftrag und werden in wenigen Tagen eine Mehrheitsregierung anbieten. Der österreichische Bundespräsident, kürzlich noch aufgetreten als König der Manege, ist inzwischen der Herr von der traurigen Gestalt. Was wird ihm anders übrig bleiben, als die international anrüchige rechtsbürgerliche Allianz von ÖVP und FPÖ zu akzeptieren?

Abfinden müssen wird der Präsident sich auch mit dem Kanzler von Jörg Haiders Gnaden, so gerne er auch Wolfgang Schüssel, der den schlauen Kasper gibt, verhindert hätte. Vor dem sollte man aber wirklich ein bisserl Respekt haben: Erst wollte Schüssel zur Strafe für die Wähler unbedingt in die Opposition.

Denn er hatte ja sein Wort gegeben: Dritter Platz, das hieße ganz klar Abschied vom Regieren. Na ja! Das war im vorigen Jahrhundert. Jetzt, nachdem er zwischendurch dann doch noch mit den Sozis verhandelt hat, will der Kasper Kanzler werden. So wird die Tragödie wieder zur Farce: mit Schüssel als Steigbügelhalter für Haider, den neuen Herrenreiter.