Beim Schlaganfall unterbricht ein Pfropf in einem Blutgefäß die Zufuhr von sauerstoffreichem Blut. Die Blockade führt zur Unterversorgung ganzer Hirngebiete, die dann absterben. Der Neurochirurg John G. Frazee von der University of California in Los Angeles versucht, diese Blockade zu umgehen: Er schickt das Blut auf Geisterfahrt in entgegengesetzter Richtung über die Venen zum unterversorgten Gebiet. Sieben Jahre lang hat Frazee diese Methode bei Affen erprobt. Dann gab ihm die US-Arzneimittelbehörde grünes Licht, bei ausgewählten Schlaganfallpatienten das Blut über zwei Venenkatheter ins Gehirn zu pumpen. Der Arzt vermutet, dass durch den umgekehrten Blutfluss auch Blutgerinnsel in den Arterien weggespült werden. Was dann mit ihnen geschieht, ist allerdings noch unklar. "Bis heute haben wir zehn Menschen mit der retrograden Neuroperfusion behandelt. Die Ergebnisse stimmen mich optimistisch", sagt Frazee. Mehrere Patienten konnten gelähmte Arme oder Beine bereits wenige Minuten nach der Behandlung wieder bewegen.

Hirnregion für Leidenschaften: Die Mutter beugt sich über die Wiege, das Baby lacht sie an: Spezielle Regionen im Gehirn machen dieses Erkennen möglich. Bisher dachte man, diese Areale dienten einzig der Identifizierung von Gesichtern. Psychologen der Vanderbilt University in Nashville haben nun jedoch Hinweise darauf gefunden, dass wir damit auch ganz andere Dinge erkennen - vorausgesetzt, sie sind uns lieb und teuer (Nature Neuroscience, Vol. 3, S. 191). Die Forscher legten elf Autonarren und acht Vogelexperten Bilder mit Gesichtern, Alltagsgegenständen, Vögeln und Autos vor und analysierten die elektrochemischen Prozesse in ihren Gehirnen. Während die Gesichtserkennungsregionen des Vogelkenners beim Anblick seiner gefiederten Freunde aktiv wurde, nutzte der Autofan diese Areale immer dann, wenn er ein vierrädriges Vehikel entdeckte. Die Forscher schließen daraus, dass die Leidenschaften für bestimmte Dinge die Spezialisierung in jenen Gehirnarealen vorantreibt, die bisher ausschließlich der Gesichtserkennung vorbehalten schienen.

Alte Ruine unter neuem Schutt: Ein Königspalast aus der mittleren Bronzezeit (2000 bis 1500 vor Christus) wird in Syrien zum zweiten Mal ausgegraben. Im Ruinenhügel Tell Mischerfe, 200 Kilometer nördlich von Damaskus, sind Tübinger Archäologen unter dem Schutt abgerissener neuzeitlicher Wohnanlagen auf die Fußböden des Palastes gestoßen, der 1931 schon einmal ausgegraben worden war. In der Zwischenzeit ist die Ruine so gründlich überbaut worden, dass niemand mehr seine exakte Lage kannte. Die Archäologen stießen auf fünf Meter breite Palastmauern und Reste eines Prachtzimmers mit den Ausmaßen eines Handballfelds.

Wissenschaft im Parlament: 15 000-mal hat sich das britische Parlament in den vergangenen zehn Jahren mit Wissenschaft befasst (Nature, Vol. 403, S. 357). Während sich 1989 ein Prozent der Anfragen mit Forschung beschäftigte, waren es 1999 bereits sechs Prozent. Dabei haben die Life-Sciences den Umweltfragen inzwischen den Rang abgelaufen. Die Autoren der Erhebung, Mitglieder des parlamentarischen Büros für Wissenschaft und Technik, rechnen damit, dass wissenschaftliche Themen wie das Humangenomprojekt, die Produktion von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln und der Klimawandel weiter an politischer Brisanz gewinnen.