Reisende können sich darauf einstellen: Urlaub kauft man in Zukunft nicht nur im Reisebüro, sondern immer öfter direkt beim Reiseveranstalter.

Deutschlands große Ferienmacher rüsten zum Direktvertrieb. Zwar singen TUI, Neckermann & Co noch das Hohe Lied auf das Reisebüro, aber längst ist klar: Die Reise von morgen buchen wir mit Fernbedienung, Telefon, PC - oder im Reisebüro. Am direkten Verkauf von Reisen führt kein Weg vorbei. Denn im beinharten Verdrängungswettbewerb der mittlerweile oft börsennotierten Reiseveranstalter suchen diese nach Wegen, ihre Produkte preiswerter an den Kunden zu bringen. Darum sparen sie dort, wo es ihnen am wenigsten wehtut: bei jenen rund zehn Prozent, die sie heute noch den Reisebüros für die Vermittlung abgeben müssen.

Viele neue, direkte Wege führen inzwischen zum Kunden: Reisekanäle im Kabelfernsehen, Internet und Call-Center. Eine Reihe von Unternehmen steht am Start: Im März will der Reisekanal Via 1 - Schöner Reisen loslegen. Geplant ist Rund-um-die-Uhr-Fernsehen zum Thema Urlaub. Alle Besitzer einer D-Box können die per Kabel übertragenen Shopping-Angebote sehen. Die Reisen lassen sich im digitalen Videotext und auf der Website in Ruhe betrachten und telefonisch buchen. "Wir sind mit mehreren namhaften Anbietern im Gespräch", verrät Via-1-Chef Frank Apfel, "das Echo in der Reisebranche ist sehr positiv." Auch die Bertelsmann Broadband Group arbeitet an einer Plattform für den Reiseverkauf via TV. An einem Pilotversuch für interaktives Fernsehen werden namhafte Reiseveranstalter teilnehmen.

In England gehört der Verkauf von Reisen via Fernsehen zum Alltag. Acht Millionen Briten empfangen den Sender TV Travelshop und können dort rund um die Uhr Pauschalreisen, Flüge, Hotelzimmer und Mietwagen bestellen.

Travelshop machte im vergangenen Jahr 70 Millionen Pfund Umsatz, mehr als 210 Millionen Mark. Die Engländer wollen in diesem Jahr auch in Deutschland on air gehen. Die schweizerische Kuoni hat die Bedeutung des Mediums erkannt und sich an TV Travelshop beteiligt. "Wenn in England 60 Prozent der Urlaubsentscheidungen auf dem heimischen Sofa gefällt werden, macht es Sinn, auch dort eine Einkaufsmöglichkeit anzubieten", findet Kuoni-Sprecherin Bettina Bachmann.

Solche Offenheit scheuen deutsche Reiseanbieter noch. Man fürchtet den Zorn der Reisebüros. Dass diese Angst unbegründet ist, hat einer gemerkt, der es einfach mal probiert hat. Günter Geske, Chef des Reiseveranstalters Air Marin (www.airmarin.de), wurde von seiner Konzernmutter C&N Touristic an die Front geschickt und verkauft seit geraumer Zeit Reisen auch via Call-Center - ohne Reisebürohilfe. Zehn Prozent Direktanteil wollte Air Marin zum Jahresende erreichen, acht Prozent sind es geworden. Geske ist trotzdem von seinem Weg überzeugt: "Vor allem junge Menschen haben nicht mehr die Zeit, durch Fußgängerzonen zu schlurfen und stundenlang in einem Reisebüro zu sitzen." 70 Prozent der Air-Marin-Kunden sind jünger als 31 Jahre. Geske: "Eine neue Kundengeneration."

Die Großen der Branche folgen allmählich. Die TUI setzt dabei stark auf das Internet. Die Preussag-Tochter gliederte den Bereich E-Commerce in die neu gegründete TUI interactive aus. Mittlerweile ist fast das gesamte Programm von TUI Schöne Ferien online buchbar. Der Marktführer versüßt die Online-Buchung neuerdings obendrein mit Punkten im firmeneigenen Prämiensystem Webmiles. Die Internet-Präsenz und damit der Direktvertrieb, sagen die Hannoveraner, "wird kontinuierlich ausgebaut".