Wer Banker in der Londoner City auf Fußballaktien anspricht, erntet ein müdes Lächeln. Kein Anlageberater, der etwas auf seinen Ruf hält, käme noch auf die Idee, die Papiere von einer der 20 englischen Fußball-AGs zu empfehlen. Scharf auf Fußballaktien sind in England nur noch Medienkonzerne.

Nachdem Rupert Murdoch den Spitzenclub Manchester United nicht erwerben durfte, hat sich BSkyB, sein britisches Satelliten-TV, systematisch mit Minderheitsbeteiligungen von 9,9 Prozent eingedeckt: bei Manchester United, Leeds, Sunderland und dem Zweitligisten Manchester City.

Die Konkurrenz mochte das nicht tatenlos mit ansehen. Granada, größtes terrestrisch-kommerzielles Fernsehen auf der Insel, erwarb knapp 10 Prozent von Liverpool, der amerikanische Kabelkonzern NTL stieg bei Newcastle und Aston Villa ein, Carlton und United News and Media verhandeln mit dem stargespickten Londoner Club Arsenal. Das Motiv ist klar. Auch in Zeiten globaler Fusionen zwischen Medien, Internet und Telekommunikation besitzt die Faustregel content is king noch Gültigkeit. Ohne Fußball lässt sich kein Massenpublikum binden, schon gar nicht ein profitables Pay-TV entwickeln.

Auf den ersten Blick wirkt es beinahe befremdlich: Fußball wird immer mehr Teil der globalen Unterhaltungsindustrie, der Poker um die Fernsehrechte treibt immer wildere Blüten - doch die Fußballeuphorie der Finanzmärkte ist vollständig verflogen. Während Clubs auf dem Kontinent im Gang an die Börse ein Wundermittel gegen Kapitalknappheit sehen, zieht man auf der Insel ein ernüchterndes Fazit.

"Fußball ist schlecht für die Börse", lautet das Urteil. Die Bilanz des 17-jährigen Flirts zwischen Aktienmärkten und Fußballclubs enthüllt, dass es sich für beide Seiten nicht gelohnt hat. Zurzeit werden 20 englische Clubs an der Börse notiert, 9 davon in der Premier League, der Rest in den niedrigeren Ligen. Die Kurse aller Teams sind in den vergangenen Jahren gegen den allgemeinen Trend nach unten gesackt und dümpeln lustlos vor sich hin. Die großen Hoffnungen vieler Investoren blieben unerfüllt, einige haben sich böse die Finger verbrannt.

Allein Manchester United hat sich bislang als lohnende Investition erwiesen, doch der reichste Club der Welt ist eine Ausnahmeerscheinung - sportlich wie finanziell. Der Club mit einer weltweiten Fangemeinde hat klug gewirtschaftet: Der eigene Abo-TV-Sender, der zu Hause sechs Stunden täglich Programm liefert, verkauft seine Bilder auch nach Hongkong, Singapur und Thailand. Der Catering-Service des Vereins bedient bei Heimspielen die bessere Klientel. Zudem hat der Club das Merchandising zur rechten Zeit zu einer wahren Kunstform entwickelt. Ein Drittel des Umsatzes von fast 300 Millionen Mark erzielt ManU mit dem Verkauf von Trikots, Sonnenbrillen oder Bettwäsche. Vor allem aber hat sich der Club nicht von Shareholder-Value und kurzfristigen Dividendenerwartungen der Aktionäre leiten lassen. Bislang schreibt ManU noch erstaunliche Gewinne: 42 Millionen Mark in der Saison 1998/1999.

Anderswo in der englischen Topliga sieht es weniger rosig aus. Zwar steigen Umsätze und Einnahmen, doch die Gewinne der meisten Clubs werden von exorbitanten Spielergehältern und Ablösesummen aufgezehrt. Chelsea London etwa steckt bereits 57 Prozent des Umsatzes in die Gagen seiner überwiegend ausländischen Spielerriege. Das Bosman-Urteil, voreilig als Akt der Befreiung gefeiert, erweist sich auch auf der Insel als Bumerang. Nur eine kleine Elite kann sich noch an dem Roulette beteiligen, Spitzenspieler mit langfristigen Verträgen an sich zu binden oder für exorbitante Ablösesummen aus Verträgen herauszukaufen.