Höchste Zeit, denkt man als Berliner Korrespondent heutzutage laut vor sich hin, nach Trost Ausschau zu halten. Und gerade in einer Kolumne wie dieser.

Das Gute, wo bleibt es? Da! Posthum sei Bettino Craxi zur "Kultfigur" geworden, schreibt der Spiegel anlässlich seines Staatsbegräbnisses. Mit dem Tod sei "der verlorene Sohn in die Herzen der Italiener zurückgekehrt".

Gestorben mit 65 Jahren, im tunesischen Exil. Von 1983 bis 1987 stand der Sozialist als Premier an der Spitze in Rom, länger als jeder andere, in deutscher Maßeinheit weit mehr als 16 Kanzlerjahre. Viele Millionen hatte er für sich und seine Familie an Parteispenden gesammelt, meist in bar

das Geld ist auf Konten in fernen Ländern verschwunden. Einer hohen Gefängnisstrafe entzog Craxi sich durch Flucht. Alle hätten es ähnlich gehalten, beteuerte er bis zuletzt. Jetzt pilgerten sie alle aus Rom zum Grab im Exil, oder jedenfalls viele, und weinten und rehabilitierten.

Oder nehmen wir Richard Nixon, vielleicht auch Giulio Andreotti, alle diese großen alten Männer der großen alten Parteien, deren Bild einem in den Sinn kommt beim Schreiben einer solchen Kolumne. Als einziger amerikanischer Präsident musste der Republikaner Nixon am 9. August 1974 zurücktreten. Auf seine Anweisung hin sollte der Einbruch im Watergate-Hotel (bei den Demokraten), vom Weißen Haus organisiert, vertuscht werden. Gespräche im Büro schnitt er heimlich auf Tonband mit. Rücktritt und Ächtung! Für immer, wie es schien. Aber irgendwie avancierte er doch zum Elder Statesman, wurde Gast im Weißen Haus bei Jimmy Carter und Bill Clinton, schrieb Bestseller. Der Tod von Richard "Löwenherz" Nixon, später "Tricky Dick", 1994: ein Staatsakt und nationaler Trauertag. Heute ist sein Bild fast wieder blank.

Schließlich "Dottore" Andreotti: Keiner war so einflussreich in der Democrazia Cristiana, keiner stand so lange ganz oben in Rom wie er, keiner war so tief involviert in fast sämtliche Staatsaffären. Die Justiz ermittelte wegen "mafioser Tätigkeit", pentiti, abtrünnige Mitglieder der Mafia, hatten geplaudert über seine Verquickung mit der Cosa Nostra, an der Ermordung eines Journalisten soll er beteiligt gewesen sein, er symbolisierte die Korruption der "politischen Klasse", jedenfalls die seiner Partei. Vor kurzem haben ihn Richter in Palermo freigesprochen, nun sei die Seligsprechung Andreottis in vollem Gange, berichten Korrespondenten. Eine "große Restauration" finde statt, klagt La Repubblica.

Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe? Ganz im Gegenteil.