Wilhelm Hennis ist ein sympathischer Kämpfer, der niemals ein Blatt vor den Mund nimmt. Bei der Beurteilung meines Nachfolgers als Leiter der Erfurter Universität, Wolfgang Bergsdorf, haut er aber daneben. Dass Bergsdorf die "denkbar schlechteste Wahl aus der guten Tausendschaft frühpensionierter politischer Beamter" sei, ist ein groteskes Fehlurteil.

Erfurt braucht einen managementerfahrenen Rektor als Präsidenten mit gutem Netzwerk, denn es gilt jetzt, das Gründungskonzept der Universität abzusichern und vor fragwürdigen Sparaktionen des Finanzministers zu schützen. Dafür ist Bergsdorf weit besser geeignet als der viel beredete "Spitzenwissenschaftler", den manche sich wünschten. Dazu kommt, dass der neue Präsident ein habilitierter Politikwissenschaftler ist, der insbesondere zum Thema "Sprache und Politik" grundlegende Beiträge geleistet hat. Wohl wahr, dass er lange Jahre ein enger Mitarbeiter Helmut Kohls war. Aber ist das schon ein Makel? Ich war lange Zeit ein enger Mitarbeiter Willy Brandts und habe die Universität Erfurt doch unparteiisch geführt. Das wird auch Bergsdorf gelingen.

Prof. Peter Glotz, Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement Universität St. Gallen

Ich kenne Herrn Bergsdorf seit seinem Studium in den sechziger Jahren. Er hat sich 1982 bei mir an der Universität Bonn mit einer Arbeit über "Herrschaft und Sprache" habilitiert und hält seitdem als Dozent und Professor mit viel Erfolg politikwissenschaftliche Lehrveranstaltungen, besonders auf den Gebieten Medien, Kultur und Sprache. Dass er als Politikwissenschaftler auch besondere Erfahrungen aus dem politischen Alltag mitbringt, dürfte nicht zu beanstanden sein, vielmehr durchaus als Gewinn betrachtet werden, wie auch Herr Kollege Hennis aus eigener Erfahrung gewiss bestätigen könnte.

Ebenso wenig ist Professor Bergsdorf vorzuhalten, dass er die Monatszeitschrift Die politische Meinung der parteinahen Konrad-Adenauer-Stiftung neuerdings als Chefredakteur leitet und wie auch andere Fachkollegen publizistisch tätig ist. Auch bei Herrn Glotz, der aktiv politisch tätig war und ebenfalls eine Zeitschrift der ähnlich parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung leitet, wird dies ja von Herrn Hennis keineswegs als Beeinträchtigung seiner Qualifikation angeführt.

Herr Kollege Hennis übersieht zudem, dass Rektor Glotz es war, der selbst Wolfgang Bergsdorf vor wenigen Monaten eine ordentliche Professur und die Leitung der European School of Governance an der Universität Erfurt angeboten hat. Diesen so taktvoll zurückhaltenden Kollegen als einen "Mann fürs Grobe" zu bezeichnen, widerspricht jeder Menschenkenntnis.

Prof. Karl Dietrich Bracher Universität Bonn