Das Ausmaß des CDU-Spendenskandals war noch nicht absehbar, da gab es schon die ersten Forderungen, Konsequenzen zu ziehen. Die Amtszeit des Bundeskanzlers solle begrenzt werden, um die Arroganz der Macht zu bremsen, hieß es etwa. Oder: Das Parteiengesetz müsse geändert werden, Verstöße sollten künftig strafbar sein.

Alles unnötig. Wenn der Skandal bisher eines gezeigt hat, dann vor allem, dass nicht die Gesetze ungenügend sind, sondern in der CDU Feigheit herrschte. Im Vorstand, im Präsidium, bei den Angestellten fehlte es an Zivilcourage. Einer der ehemals "Jungen Wilden" ist im Rückblick betroffen darüber, welches Klima in den Gremiensitzungen geherrscht habe. Helmut Kohl zu widersprechen habe auch er sich deshalb kaum getraut. Und Norbert Blüm, seit 1981 im CDU-Präsidium und 16 Jahre Minister unter Kohl, schlägt sich nun öffentlich mit Selbstzweifeln herum. Er gibt zu, "wohl zu naiv" gewesen zu sein oder "sogar gelegentlich bewusst weggehört zu haben", wenn es um Kohls unfeine Praktiken ging. Zerknirscht gesteht Blüm, er habe es sich manchmal zu leicht gemacht, wenn er sich aus Debatten herausgehalten und nur um sein eigenes Fachgebiet gekümmert hat.

Exakt dasselbe in exakt demselben Ton war 1989 aus dem SED-Politbüro von Schabowski, Krenz und anderen zu hören.