Jetzt ist auch der Esstisch da. Ein Berliner Schreiner hat ihn nach den Plänen der Kanzler-Architektin gebaut. Mit Einlegeplatte ist er vier Meter lang, 16 Personen können an ihm tafeln. Um nicht klotzig zu wirken, verjüngt sich die Tischplatte an den Kanten auf einen Zentimeter. Dummerweise hat der Schreiner in Kirschbaum natur geliefert. Das Holz glänzte rot durchs Esszimmer und passte überhaupt nicht zu den dunklen Stuhlbeinen, zum Blau und Gold der Polster. Also kam der Tisch zurück in die Werkstatt, das Holz wurde dunkel gebeizt, und die vielen Schichten Klarlack wurden zum zweiten Mal penibel aufgetragen.

Das sind halt die ganz normalen Pannen, die auf dem Bau passieren, sagt Gesine Weinmiller. Die 36 Jahre junge Architektin hat eine bürgerliche Villa in Berlin-Dahlem, Pücklerstraße 14, zum Wohnsitz des Kanzlers umgebaut. Vor gut einem Jahr hat sie den Auftrag erhalten. Zweimal hat sie mit Gerhard Schröder zusammengesessen, ihm Skizzen, Pläne, Möbelkataloge vorgelegt, und mit Frau Schröder hat sie sich noch ein paar Mal mehr beraten. Im vergangenen Herbst hat sie dem Kanzler zum Einzug Brot und Salz geschenkt, und jetzt macht die Architektin im Salon einen großen Bogen um einen rehbraunen Eckschrank, der nicht wirklich zu den beiden Stehlampen von Gio Ponti passt, einem italienischen Klassiker der Moderne. Nicht fotografieren, sagt sie, der Schrank ist eine Fehllieferung, da kommt ein anderer hin.

Augenscheinlich genießt der Kanzler bei Möbelhäusern keine Vorzugsbehandlung.

Privilegiert dürfen sich dagegen die Staatsmänner fühlen, die der Kanzler in seinen privaten Salon bittet. Ein rotes Walmdach deckt das stattliche weiße Haus mit den hohen Sprossenfenstern, ein runder Giebel gibt der Fassade ein markantes Gesicht. Am Rondell in der Auffahrt, wo ursprünglich ein hässlicher Brunnen (Weinmiller) stand, schafft eine Bronzeplastik (Ineinander verschlungene Konkretionen) von Hans Arp das Entrée.

Die Repräsentationsräume im Erdgeschoss wurden so ausgestattet, dass sie privaten Charme ausstrahlen: Kaminzimmer und Salon, Esszimmer und Wintergarten. Im Kaminzimmer führt eine herrschaftlich breite Treppe aus dunkler deutscher Eiche in den ersten Stock. Dort befindet sich die Privatwohnung: zwei Schlaf- und ein kleines Gästezimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad. Der Zuschnitt der Wohnung ist vergleichsweise bescheiden, sodass das Kanzleramt gerne Zahlen herausrückt: 150 Quadratmeter Wohnfläche im ersten Stock, 215 Quadratmeter zum Repräsentieren im Erdgeschoss. Keine Sauna, kein Pool.

1912 hat ein Fabrikant diese Villa im Reformstil der damaligen Zeit bauen lassen, inspiriert von englischer Landhausarchitektur. Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnte hier der Generaldirektor der AEG. Durch ihn lernte Konrad Adenauer diese Villa kennen

1962 kaufte die Bundesrepublik sie als Gästehaus. Hier traf sich Egon Bahr konspirativ mit Agenten des KGB, Helmut Schmidt wurde vom Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan unterrichtet.