Er heißt Harald, und zwar: der höfliche Harald, weil das eleganter klingt

aber besonders höflich ist er eigentlich gar nicht. An einem Tag, an dem ein böser Wind weht, schickt ihn seine Mutter von zu Hause fort: Es sei jetzt Zeit, ein Held zu werden, sagt sie, und er soll nicht wiederkommen, bis er einer geworden ist. Und er soll dann auch eine Braut mitbringen. Harald ist aber erst neuneinhalb Jahre alt und er hat nur ein paar alte Kekse und fünf Mark dabei.

Das ist der Anfang, zweite Seite, um genau zu sein, des neuen Buches von Sybille Lewitscharoff, die vor zwei Jahren den Ingeborg-Bachmann-Preis für ein Buch über einen seltsamen Menschen namens Pong bekam. Nun schreibt sie also auch für Kinder, aber für solche zwischen neuneinhalb und neunundneunzig, wie der Klappentext behauptet.

Das ist, wie man zugeben muss, sehr schwierig. Für Kinder sollen gute Geschichten drin sein in einem Buch und gute Bilder. Für Erwachsene braucht es dagegen immer etwas, worüber sie nachdenken und sich amüsieren können, damit sie sich nicht langweilen. Bei diesem Buch kommen Erwachsene zu ihrem anspruchsvollen und kurzweiligen Vergnügen nur dann, wenn sie mindestens Alice im Wunderland gelesen haben und sich auch sonst literarisch ein bisschen auskennen. Dann können sie Zitate zuordnen, die Strickmuster der Geschichten verfolgen und den satirischen Zuschnitt mancher Figuren richtig würdigen.

Wenn beispielsweise die drei Mäuse - Sidonie-Isabell, Sidonie-Karamell und Sidonie-Grisaline, Mäuse treten traditionsgemäß ja oft in Dreiergruppen auf - ihren Leitsatz von Dreimaligkeit verkünden, der da lautet: "... eine Maus ist eine Maus ist eine Maus, und zwar zu Wasser, zu Lande und in der Luft."

Gertrude Stein und Kriegspropaganda in einen Satz gefasst! Erwachsene finden so etwas manchmal witzig.

Und es gibt auch Bilder. Die Autorin hat sie selbst gemalt, dreifarbig, in Schwarz-Grau-Rot. Manche sind lustig, manche ein bisschen grauslich und manche einfach nur Muster. Ornamental, wie die Erwachsenen dazu sagen würden.