Bettino Craxi in schwarzen Stiefeln und schwarzem Hemd, die Brust drohend geschwellt, den Arm ausgestreckt - Italiens Karikaturisten haben den Sozialisten gern als verkappten Faschisten dargestellt. Er hat sich nie über den Vergleich mit Benito Mussolini aufgeregt. Es ist sogar anzunehmen, dass ihm die martialischen Figuren gefielen. Skrupellos, machtbewusst und entschlusskräftig, so präsentierte er sich seinen Wählern. So liebten sie ihn.

Craxi versprach Ordnung und Entfesselung zugleich. Lange vor dem Ende des Kalten Krieges hämmerte er den Italienern ein, dass es nicht um Ideologien gehe, sondern nur um zweierlei: Geld und Macht. Er nannte das in der Öffentlichkeit zwar Pragmatismus, aber jeder verstand, worum es ging. Von 1982 bis 1987 regierte er das Land als Ministerpräsident, länger als jeder andere. Es war die Zeit der schnellen Karrieren und des leichten Geldes. Ein goldene Ära für jeden, der dem Führer folgte.

Der Zusammenbruch kam 1993. Craxi wurde im Zusammenhang mit der damals aufgedeckten gewaltigen Korruptionsaffäre zu insgesamt 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Im Parlament verteidigte er sich: Alle wussten es, alle taten es, und darum sei er nicht schuldig. Craxi hatte Recht. Aber das rettete ihn nicht. Er hatte nicht verstanden, dass sein System nicht mehr funktionsfähig war. Das Volk hatte es schneller begriffen und sich abgewandt.

Es entdeckte die Lust am Königsmord im Namen einer neuen Moral. Es bespuckte ihn in aller Öffentlichkeit. Dasselbe, allerdings mit tödlichen Folgen, war dem Mann widerfahren, dem Craxi nach Ansicht der Karikaturisten nahe stand: Benito Mussolini. Man hatte ihn verehrt, und nachdem er die Macht verloren hatte, hing er kopfüber an einem Fleischerhaken auf der Piazza Loreto in Mailand, dem Zorn des Mobs preisgegeben.

Craxi starb am vergangenen Mittwoch in seinem Exil in Tunis, verzweifelt über sein unerklärliches Schicksal. Der Rachedurst des Volkes ist gestillt. Die italienische Regierung bot der Familie des rechtskräftig verurteilten Gesetzesbrechers Bettino Craxi ein Staatsbegräbnis an.