Bei den Friedensgesprächen zwischen Syrien und Israel haben die amerikanischen Vermittler im Januar ein "Arbeitspapier" vorgelegt. Es ist ein siebenseitiger Entwurf eines künftigen Friedensvertrags, in dem die Konfliktpunkte festgehalten sind. Über dieses Dokument sollen syrische und israelische Experten in dieser Woche in Washington diskutieren, nachdem die zweite Verhandlungsrunde zwischen Außenminister Faruk al Shara und Ministerpräsident Ehud Barak zunächst "auf unbestimmte Zeit" verschoben worden war. Vier Themenkomplexe sind besonders umstritten:

Grenzen: Syrien besteht auf einem israelischen Rückzug bis zur Trennungslinie vom 4. Juni 1967, dem Vorabend des Sechstagekriegs, während sich Israel auf die internationale Grenze von 1923 bezieht, die etwas weiter östlich liegt.

Der Unterschied beträgt zwar nur wenige Quadratkilometer, die jedoch entscheiden über den Zugang zum Ufer des Sees Genezareth und zu anderen Wasserquellen. Gegenüber seinen israelischen Kritikern betont Ehud Barak, dass es keinen Rückzug bis zu den Grenzen von 1967 geben werde.

Wahrscheinlich wird man sich am Ende auf eine - dritte - Grenzlinie einigen, die beide Seiten rhetorisch als Verhandlungssieg verkaufen können. Offiziell will Syrien mit seinem Außenminister erst wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn sich Israel im Vorfeld auf einen Rückzug auf die 67er Grenze festlegt.

Normalisierung: Je freundschaftlicher die Beziehungen sind, die Syrien zulässt, desto weiter will sich Israel zurückziehen. Ein stufenweiser Rückzug von den Golanhöhen sollte an die Aufnahme von normalen Beziehungen gekoppelt sein. Syrien wiederum behauptet, dass nur das Volk über "warme" Beziehungen entscheiden könne

alle jüdischen Siedlungen auf dem Golan müssten geräumt werden. Und während Damaskus auf einen Rückzug innerhalb von achtzehn Monaten hofft, setzt Israel auf einen längeren Zeitraum.

Sicherheit: Ehud Barak hat versprochen, ein Friedensabkommen zu unterzeichnen, dass die "Sicherheit Israels stärkt". Ein Rückzug von den strategisch wichtigen Golanhöhen müsste deshalb die Einrichtung von Frühwarnstationen (auch auf dem Berg Hermon), entmilitarisierten Pufferzonen und Überwachungsinstanzen nach sich ziehen. Israel fordert, eigene Beobachter an die Stationen zu schicken